Eigentlich müsste das Schweizer Fernsehen jetzt ein nationales Care-Team aufbieten. Denn der Tag naht, an dem «Mini Schwiiz, dini Schwiiz» eingestellt wird. Nie mehr werden so wunderbare Sätze erklingen wie: «Luca Häseli hat seine ganze Kindheit in Gipf-Oberfrick verbracht.» Oder: «Dieter Wasser wird es in Biberstein nie langweilig. Er ist seit 40 Jahren Mitglied im Turnverein.»
Sätze, die von einer Schweiz abseits des grossen Nervenkitzels erzählen, von einem Dasein in der goldenen Mitte des mittelländischen Mittelstandes, einer Welt, in der das grosse Glück im kleinen Zeitvertreib schlummert: Zum Beispiel beim Nussgipfel-Basteln in der örtlichen Feinbäckerei oder beim Spaziergang auf irgendeinem Erklär-Pfad im Naherholungs-Moor. Und auffallend oft auch in einer Statistenrolle der dorfeigenen Laientheatergruppe.
Schweizer Glückshaushalt
So sah sie in den letzten zweieinhalb Jahren in etwa aus, die Schweiz im Vorabendprogramm von SRF. Im August soll – nach beinahe 600 Sendungen – damit Schluss sein. Das ist deshalb ein bisschen ärgerlich, weil die Sendung doch gerade etwas ganz Grossem auf der Spur ist: Sie ist drauf und dran, den Schweizer Volkscharakter zu entschlüsseln.
Womöglich hat «Mini Schwiiz, dini Schwiiz» uns die Schweiz schon jetzt einleuchtender erklärt als ehedem Niklaus Meienberg. Ohne Furor und Anprangern von Unzulänglichkeiten freilich (weil es diese in der Mini-Schwiiz-dini-Schwiiz-Welt gar nicht gibt), sondern durch blosses Kamera-Draufhalten, wenn jede Woche wieder fünf Schweizerinnen und Schweizer ihren «Herzensort» vorstellen und damit kostbare Einblicke in den eidgenössischen Glückshaushalt gewähren.

