Es war alles wie immer. Aber doch nicht ganz.
Markus Blattner schaufelt Eiswürfel in einen Stoffbeutel und schlägt mit einem Holzhammer drauf. Die Eissplitter, die so entstehen, füllt er in vorgekühlte Gläser. Dieses Hämmern, für ihn als Barkeeper eine Routinehandlung, habe ihm in der vergangenen Woche einen Muskelkater beschert. Zum ersten Mal im Leben.
Der Pächter der Old Crow Bar in der Zürcher Altstadt links der Limmat hat nach mehrmonatiger Pause am Montag seine erste Schicht hinter der Theke bestritten. «Ein paar Handgriffe musste ich erst wieder einüben», sagt er.
Plötzlich unter Fremden
In den vergangenen Tagen hat Zürich einen Normalisierungsschub erlebt. Mit der Aufhebung der Sperrstunde und der Möglichkeit, wieder im Innern von Bars und Restaurants Platz zu nehmen, ist auch das Nachtleben aus dem Corona-Schlaf erwacht. Das löst eine soziale Erschütterung aus. Mehr als ein halbes Jahr galten andere Menschen als potenziell gefährlich, mehr als ein halbes Jahr beschränkte sich der soziale Austausch auf Familie und enge Freunde. Jetzt plötzlich befinden sich Fremde wieder zusammen in engen Räumen.

