Ein neues Schlagwort taucht in der politischen Diskussion auf. Es heisst Identitätspolitik. Ich muss gestehen, dass ich damit nicht allzu viel anfangen kann. Soviel ist aber klar: Es geht dabei um Geschlechter, Diskriminierung und Rassismus.
Beginnen wir bei der Sprache. Mir scheint, die Diskussion um eine geschlechtsneutrale Sprache sei schon mindestens 20 Jahre alt, und ich weiss nicht, ob wir uns da mittlerweile in einer Endlosschlaufe befinden. Aber die Kontroverse hat sich verschärft.
« Wie ist das im Orchester: Gibt es da Bläser und Streicher oder ‹Bläserinnen und Bläser›? »
Ich bin nicht ein Gegner von differenzierten Formulierungen: «Leserinnen und Leser», finde ich in Ordnung, auch «Schülerinnen und Schüler». Wenn handelnde Menschen angesprochen werden, ist das angemessen, noch mehr, wenn man ihnen gegenübersitzt. Aber muss man es auf die Spitze treiben und im Namen der Geschlechtsneutralität die ansonsten verpönten Partizipien bemühen: «Studierende», «Lehrende», «Auszubildende»? Ich denke, das ist unnötig.
Neuerdings tauchen im Radio plötzlich Begriffe wie «Christinnen und Christen», «Jüdinnen und Juden» auf. Ich bin irritiert. Ich habe beim Begriff «Christen» bisher nie an Männer gedacht. Es war für mich vielmehr ein abstrakter Begriff für die Gruppe jener Leute, die zur christlichen Religion gehören.

