Eigentlich sind sich Zürcherinnen und Zürcher Spitzenplätze in Rankings gewohnt – Lohn, Lebensqualität, ÖV. Bei der Ehrlichkeit haperte es allerdings. Das «Reader's Digest»-Magazin legte in 16 Städten je ein Dutzend Portemonnaies aus und beobachtete, wie viele der Finder es zurückgaben: Die reichen Zürcherinnen und Zürcher schnitten schlecht ab. Nur ein Drittel war so ehrlich und retournierte es. Das reichte nur für einen geteilten Rang 11, zusammen mit Rio de Janeiro und Bukarest.
Diese Zeitung hat nun gemeinsam mit der ETH Zürich und der Universität Bern dieses Experiment in Zürich unter wissenschaftlichen Bedingungen wiederholt – und erweitert. Dabei wurden rund 200 Portemonnaies mit unterschiedlichem Inhalt an VBZ-Haltestellen in allen 12 Stadtkreisen ausgelegt, also quasi verloren. In der einen Hälfte der Portemonnaies waren 10 Franken, in der anderen 108 Franken.
Durchgeführt haben das Experiment der Soziologieprofessor Andreas Diekmann, Matthias Näf und Anouk Widmer. Sie wollten damit herausfinden, wie häufig Zürcherinnen und Zürcher freiwillig etwas tun, um jemand anderem einen Nutzen zu bescheren. Oder um es in den Worten der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auszudrücken, wie verbreitet prosoziales Verhalten in der Stadt ist. Die Resultate haben den Professor überrascht.
