Mit den Restaurantöffnungen und weiteren Lockerungen erhalten wir am Montag ein grosses Stück Normalität zurück. Kommt der Schritt zur richtigen Zeit?
Marcel Tanner: Wenn Sie mich fragen: ja! Es ist wichtig, den Menschen nun wieder mehr Perspektiven zu geben. Die Fallzahlen sinken und sind so tief wie seit über einem halben Jahr nicht mehr, und die Impfkampagne schreitet voran. Unter diesen Umständen wäre es zermürbend, die Gastronomie weiter geschlossen zu halten.
Innenräume von Restaurants zählen immerhin zu den Orten mit dem höchsten Ansteckungsrisiko.
Konzentrierten wir uns auf strikte Infektionskontrolle, müsste man die Restaurants geschlossen lassen und weiter im Abgeschottetsein verharren. Doch Pandemiemanagement erfolgt aus einer Public-Health-Sicht und mit einer steten Güterabwägung: Risiken versus Benefits. In diesem Fall dürften die Vorteile überwiegen, sofern die Schutzkonzepte eingehalten werden. Das heisst aber auch: Restaurants, die sich um die Vorschriften foutieren, müssen kompromisslos geschlossen werden.
«Die Virenlast, die zu Ansteckungen führen kann, erkennen die Selbsttests sicher.»
Neu dürfen wir wieder mit bis zu 30 Personen in geschlossenen Räumen Geburtstag feiern. Wir müssen aber im Homeoffice bleiben, sofern unsere Arbeitgeber nicht an einem Testprogramm teilnehmen. Wie passt das zusammen?
Es ist richtig, so viele Testanreize wie möglich zu schaffen. Wer an ein grosses Geburtstagsfest geht und vorher keinen Selbsttest macht, handelt verantwortungslos. Genauso sollte nur jemand ins Büro gehen, der sich regelmässig testen lässt. Ob es dafür ein administrativ aufwendiges Testprogramm braucht, sei dahingestellt. Ich persönlich bin der Meinung: Für die Rückkehr ins Büro sollten regelmässige Selbsttests reichen. Wir sollten den Arbeitnehmerinnen hier etwas Vertrauen entgegenbringen.
Wirklich? Die Zuverlässigkeit dieser Tests ist doch ausgesprochen tief, gerade bei asymptomatischen Personen.
Ja, diese Selbsttests sind nicht sehr sensitiv. Aber eine Virenlast, die zu Ansteckungen führen kann, erkennen sie sicher. Und darauf kommt es an.

