Es bahnt sich eine kleine Revolution an für Eltern, die ihre Kinder fremdbetreuen lassen. Im Kantonsrat kommt es am kommenden Montag zu einem eigentlichen «Kita-Gipfel»: Es werden gleich fünf Vorstösse behandelt, die zum Ziel haben, werktätigen Müttern und Vätern finanziell zu unterstützen und ihnen so das Leben zu erleichtern. Mehrere davon dürften durchkommen.
Bislang beteiligt sich die öffentliche Hand in Zürich im Vergleich zu anderen Kantonen und anderen europäischen Ländern nur in bescheidenem Umfang an den Kosten der familienergänzenden Betreuung. Diese ist Sache der Gemeinden – und selbst in relativ grosszügigen wie der Stadt Zürich müssen die Eltern im Durchschnitt mehr als zwei Drittel des Aufwands selbst stemmen.
Dass nun Bewegung ins System kommt, liegt primär an der Klimaallianz der linken Parteien mit GLP und EVP, die auch als Kita-Allianz funktioniert. Auffällig ist andererseits aber auch, dass es der FDP gelungen ist, die SVP für das Anliegen zu gewinnen. Alle argumentieren ähnlich: In Zeiten des Fachkräftemangels sei es unsinnig, wenn Mütter und Väter zu Hause blieben, weil ihnen die Krippen- oder Hortplätze zu teuer sind. Diese kosten schnell bis zu 20’000 Franken im Jahr.
Die Lösungsansätze sind allerdings verschieden.
- Der radikalste Ansatz ist zugleich jener, der als einziger kaum Chancen hat: Die SP will, dass der Staat die gesamte Betreuung für alle Kinder im Vorschulalter bezahlt, abgesehen von der Verpflegung. Dies würde den Kanton um die 360 Millionen Franken im Jahr kosten, Tendenz steigend. Ausserhalb des linken Lagers ist dafür kaum jemand zu haben.
- Durchkommen dürfte hingegen ein Vorstoss der Grünen mit der Forderung, dass Kanton und Gemeinden künftig je 20 Prozent der Betreuungskosten für Kinder im Vorschulalter übernehmen. Dies würde den Kanton jährlich etwa 100 Millionen kosten.
- Mehrheitsfähig ist auch ein von links unterstützter Vorstoss der GLP, der vom Kanton verlangt, sich mit Betreuungsgutscheinen an der Finanzierung zu beteiligen – abhängig von Einkommen, Vermögen und Grösse der Familie. Der Vorzug laut der GLP: Die Eltern blieben dadurch frei in der Wahl der Krippe, weshalb der Wettbewerb unter den Anbietern spiele.
- Ebenfalls mehrheitsfähig ist ein zweiter GLP-Vorstoss, der den Steuerabzug für die Kinderbetreuung verdoppeln will: von heute maximal 10’000 auf 20’000 Franken pro Kind. Dabei machen zwar die Grünen nicht mit, dafür aber die FDP.
- Einen alternativen Pfad verfolgt die FDP zusammen mit der SVP: Sie wollen es dabei belassen, dass sich der Kanton aus der Finanzierung der Kinderbetreuung raushält. Die Gemeinden sollen aber gesetzlich verpflichtet werden, sich finanziell mindestens so weit zu engagieren, dass keine Familie mehr als 20 Prozent ihres Einkommens für die Betreuung ausgeben muss.

