Die Eröffnung der Innenräume kam am falschen Tag
Eigentlich ist es der lang ersehnte Tag. Nach monatelanger Reklamationen der Gastrobetreiber dürfen sie am Montag in ihren Restaurants auch die Innenräume wieder eröffnen. Doch just am letzten Tag eines äusserst kühlen und düsteren Mais hält der Sommer Einzug und nimmt der Lockerung ihre erwünschte Wirkung.
Athi Dailianis vom Restaurant Poseidon in Uster sagt: «Die erste Lockerung vor drei Wochen hat überhaupt nichts gebracht hat, weil es ja immer geregnet hat.» Nur Bars wie etwa das «Porterhouse» hätten davon profitiert. «Speiserestaurants dagegen nicht, weil bei dieser Kälte niemand draussen essen wollte.»
Kaum Gäste im Innern
Heute sind die Terassen jedoch für einmal gefüllt, die Leute sitzen an an der Sonne und geniessen die Wärme. Diese Ironie des Schicksals lässt sich trotz der Bemühungen der Oberländer Wirte, das Positive an der gelockerten Massnahme zu sehen, nicht ignorieren.
Die Oberländer Wirte freuen sich zwar, dass sie die Innenräume ihrer Beizen wieder eröffnen durften. Doch das Wetter hätte schlechter sein dürfen. (Video: Simon Grässle)
Im «Mama’s Cuccina» in Unterwetzikon trudeln kurz vor 12 Uhr die Mittagsgäste im Restaurant ein. Sie werden von der Serviceangestellten Federica Gisi direkt durch den Gang auf die dem Restaurant angrenzende Terrasse geführt. Kaum ein Gast will seine Pizza oder seine Penne an den dafür hergerichteten Tischen im Innenbereich des Restaurants geniessen.
Nur das Bier streikt
Beklagen tut sich Gisi darüber aber nicht. «Zum Glück ist heute wieder das ganze Restaurant offen. Und pünktlich zeigt sich auch die Sonne, nach einem Monat mit fast nur Regen.» Sie hätten bereits sehr viele Reservationen erhalten und die Terrasse sei bereits um 12 Uhr voll. Die Vorbereitungen liefen gut und man freue sich, die Gäste nun auch im Innenbereich begrüssen zu dürfen.
Das einzige was an diesem Mittag noch nicht recht klappen will, ist der Bierausschank. «Die neuen Fässer wurden leider noch nicht geliefert», sagt Lisa Imobersteg, die zweite an diesem Tag im Einsatz stehende Servicekraft und giesst das Bier aus der Dose in ein Glas. Kurz nach 12 Uhr setzen sich dann doch noch zwei Herren an einen der Innentische.
Nur zu einem Drittel ausgelastet
Im «Blaser’s Café & Weinbar» in Uster haben sich ebenfalls zwei Gäste erbarmt: Inhaber Markus Blaser sagt: «Sie haben sich heute morgen trotz des Wetters extra in den Innenbereich gesetzt. Sie sagten, sie würden das Restaurant gerne wieder einmal von innen und nicht immer nur von aussen sehen.»
«Immer nur geschlossen zu haben, geht auch nicht.»
Markus Blaser, Inhaber von «Blasers Café & Weinbar»
Am Mittag läuft Im Innern zwar Musik, aber diese hören mittlerweile nur noch die Angestellten, die fleissig hinter der Theke hantieren. Die Tische vor der Bar sind derweil fast alle besetzt. Blaser sieht die Lockerungen zwar positiv, ist aber nicht vollends zufrieden. Wirklich viel ändere sich dadurch nicht, er könne seinen Innenraum nur zu einem Drittel auslasten.
Es stelle sich die Frage, ob sich eine Öffnung überhaupt lohne. «Nur drinnen wahrscheinlich nicht. Aber immer nur geschlossen zu haben, geht auch nicht», so Blaser. «Ich nehme es aber wie es kommt.» Das habe ihn die Pandemie gelehrt.
Senioren sitzen im Innern
Der Sitzplatz vor dem Restaurant zur Linde in Uster ist zur Hälfte gefüllt. Im Innern des Restaurants sitzt kein einziger Gast – trotz der Baustelle an der Aathalstrasse, die direkt vor dem Restaurant liegt.
Wendy Burri-Hitz, stellvertretende Geschäftsführerin, sieht immerhin für die Senioren einen Vorteil: «Vor allem unsere älteren Leute sind froh, dass sie wieder hineinsitzen dürfen.»
Dieses Bild zeigt sich auch im «Cucina Piccante» in Pfäffikon, wo ebenfalls zwei ältere Leute über Mittag im Innenraum einkehren. Alle anderen sitzen in der Gartenwirtschaft hinter dem Restaurant.
Auch Rahel Merkli, Angestellte und Tochter der Inhaberin Ursula Merkli versucht, das Positive zu sehen: Wenn dann das Wetter wieder schlechter werde, sei man sicher froh, dass man wieder drinnen essen könne. Die heutige Öffnung bedeute zudem einen Schritt zurück zur Normalität.
Auf bessere Tage hoffen
Mit den auferlegten Massnahmen gehen die Oberländer Beizen unterschiedlich um. Während man im Restaurant zu Linde die Pandemie für eine Umstrukturierung genutzt und das Restaurant neu gestaltet hat, arbeitet man im «Cuccina Piccante» mit QR-Codes, die die Daten der Gäste aufnehmen. Je nach dem setze man zudem auch noch auf Trennwände, sagt Merkli. Es brauche viel Vorbereitung, wenn dann der grosse Ansturm auf die Innenräume komme.
«Damit haben wir bereits heute gerechnet, weil die Leute rausgehen und viele bereits geimpft sind», so Merkli. Dieser ist zwar so nicht eingetreten. Aber sie sei dennoch zufrieden mit dem Tag und hoffe auf noch bessere. (Sebastian Schuler/Tanja Hudec)

