Es gibt 500 Seilbahnunternehmen in der Schweiz und gut 2400 Seilbahn- und Skiliftanlagen. 35 Millionen Menschen reisen pro Jahr im Durchschnitt mit einer Seilbahn auf den Berg – während der Corona-Krise waren es weniger. Es ist deshalb verständlich, wenn sich viele nach demSeilbahnunglück bei Stresa fragen, wie gross das Risiko ist, in eine Gondel zu steigen. «Unsere Seilbahnen sind grundsätzlich sicher», versichert Erwin Baumgartner, Leiter der akkreditierten Seilprüfstelle Baremo. Wir erklären, warum.
Wie oft müssen in der Schweiz die Trag- und Zugseile überprüft werden?
Der Betreiber muss die Seile je nach Zahl der Betriebsstunden der Anlage alle sechs Monate visuell kontrollieren. Das Tragseil kontrolliert man vom Dach der Kabine aus, das Zugseil wird in der Station vor oder nach der Umlenkrolle überprüft. Das Zugseil, mit dem die Gondel auf den Berg gezogen wird, muss in der Schweiz alle drei Jahre magnetinduktiv durch eine akkreditierte Prüfstelle untersucht werden. «Es ist sehr unwahrscheinlich, dass nach einer vorschriftsmässigen magnetinduktiven Untersuchung ein Zugseil wie beim Seilbahnunglück bei Stresa reissen kann, es führten wohl andere Ursachen zum Seilriss», sagt Erwin Baumgartner, Maschineningenieur und Leiter der akkreditierten Seilprüfstelle Baremo in Romanshorn. Es gibt drei akkreditierte Unternehmen für Seilprüfungen in der Schweiz.
Wie funktioniert die magnetinduktive Prüfung?
Man fährt mit einem Prüfgerät, das mit einem Permanentmagnet ausgerüstet ist, über das Seil, oder das Seil wird durch das Prüfgerät hindurchgezogen. Dabei baut sich ein Magnetfeld auf. Bei gebrochenen Drähten im Seil entsteht ein Signal, das aufgrund des Ausschlags und des Signaltyps beurteilt werden kann. Für die Gesamtbeurteilung werden die detektierten Fehler aufgrund der Normvorgabe und der Bezugslänge des Seils als zulässig oder nicht zulässig beurteilt.

