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Politik

Wer Langstrecke fliegt, kommt zu günstig weg

Die geplante Flugticketabgabe trifft Economy-Passagiere für Kurzstreckenflüge überproportional, wie eine neue Studie zeigt. Offen ist, wie stark sie dazu beitragen kann, den Flugverkehr einzudämmen.

Heisst das Stimmvolk am 13. Juni das CO₂-Gesetz gut, wird das Fliegen teurer. Die Abgabe beträgt zwischen 30 und 120 Franken. Noch nicht fix ist ihre genaue Ausgestaltung. Der Bundesrat hat aber einen Vorschlag gemacht: 30 Franken für einen Kurzstreckenflug, 60 Franken für einen Mittelstreckenflug, 90 für einen Langstreckenflug. Dazu kommt ein zusätzlicher Aufschlag von 30 Franken für alle Premium-Klassen, also alle über Economy.

Wie sich nun zeigt, sind diese Abgaben nicht gerecht verteilt. Das ergibt eine neue Studie des Zentrums E4S, an dem die ETH und Universität Lausanne und das Institut für Management Entwicklung (IMD) beteiligt sind. Die Autoren rechnen, dass 30 Franken für einen Economy-Kurzstreckenflug einer Verteuerung des Flugtickets im Durchschnitt um 19 Prozent entspricht. Überträgt man diese Verteuerung proportional auf einen Economy-Langstreckenflug, müsste die Abgabe von 90 Franken auf 133 Franken erhöht werden. Noch krasser ist es bei der Premium-Klasse, dort müsste die durchschnittliche Verteuerung 870 Franken betragen. Diese Berechnungen sind insofern relevant, weil gemäss der Studie nur etwa 20 Prozent aller Passagiere Langstreckenflieger sind, diese Flüge produzieren aber 60 Prozent der Gesamtemissionen durch die Flugreisen.

«Die Flugticketabgabe von 30 Franken für Kurzstreckenflüge Economy sind im Vergleich zu den anderen Kategorien recht happig.»

Philippe Thalmann, ETH Lausanne

«Die Flugticketabgabe von 30 Franken für Kurzstreckenflüge Economy sind im Vergleich zu den anderen Kategorien recht happig», sagt Hauptautor Philippe Thalmann von der EPFL. Wäre diese Minimalabgabe tiefer, könnte die Verteuerung auf den anderen Kategorien «gerechter» sein, so der Ökonom. In anderen Ländern sei das der Fall. In Grossbritannien zum Beispiel beträgt sie umgerechnet nur 17 Franken. Für Thalmann hat die unterschiedliche Verteuerungsrate je Reisekategorie jedoch nicht Priorität. «Ich wäre schon froh, wenn die Klimawirkung in den Taxen besser abgebildet würde», sagt er.

Es sind eben nicht nur die CO₂-Emissionen, die eine erwärmende Wirkung auf die Atmosphäre haben. Bei der Verbrennung des Kerosins in den Flugzeugtriebwerken entstehen auch Stickoxide, Schwefeldioxid, Wasserdampf, Russpartikel und unverbrannte Kohlenwasserstoffe. Diese Gase und Feinpartikel haben einen erwärmenden oder abkühlenden Effekt. Zudem entstehen Kondensstreifen, die ebenfalls eine positive Wärmebilanz aufweisen. Unter dem Strich, so zeigt eine neue Studie im Fachmagazin «Atmospheric Environment», entspricht der Klimaeffekt der ausgestossenen Gase etwa der dreifachen Menge der CO₂-Emissionen. Bezogen auf die Klimawirkung durch die Emissionen der Treibhausgase in der Schweiz, beträgt der Anteil des Flugverkehrs gemäss der neuen Studie etwa 27 Prozent, was ihn zur wichtigsten Quelle macht – noch vor dem Bodenverkehr.

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