Es ist exakt 16.30 Uhr, als es bei José Franco klingelt. Der 62-Jährige weiss, was ihn auf der anderen Seite der Tür erwartet: Mitarbeitende der Verwaltung Livit, die ihm die Kündigung für seine 3½-Zimmer-Wohnung an der Zelgstrasse in Uster ZH überreichen werden.
Eine Woche zuvor hat Franco einen Anruf von seiner Verwaltung Livit erhalten. Ob er kommende Woche Zeit für ein Treffen habe, so eine Mitarbeiterin. Den Grund des Besuchs wollte sie nicht nennen: «Wir klären das dann in Ruhe vor Ort.» Hätte der Zürcher Mieterverband Franco in der Zwischenzeit nicht aufgeklärt, er wüsste nicht, welch einschneidende Nachricht ihm nun überbracht werden soll.
Franco empfängt die beiden Livit-Mitarbeitenden, die anonym bleiben wollen, mit der Selbstverständlichkeit eines älteren Gentlemans. «Darf ich Ihnen aus dem Mantel helfen?» Sein Angebot von Kaffee und Wasser wird dankend abgelehnt. Der Schreibende sitzt bereits am Tisch und stellt sich als Journalist vor.
Die beiden Livit-Angestellten, eine Mitarbeiterin mittleren Alters und ein junger Praktikant, sind schon fast am Ende einer anstrengenden Tour: vier Gespräche, vier Kündigungen an einem Nachmittag. Am Tag zuvor waren es noch mehr. Nach Franco soll noch ein letzter Hausbesuch folgen.
Nach dem Austausch gefälliger Nettigkeiten setzen sich alle an den Wohnzimmertisch. Die Frau kommt direkt zur Sache: «Sie haben vielleicht schon gehört, was mit dieser Siedlung passiert?» Franco: «Gut möglich. Doch ich ziehe es vor, wenn Sie mir die Fakten liefern.» Die Besitzer der Liegenschaft hätten eine Sanierung geprüft, seien aber zum Schluss gekommen, dass es sich nicht mehr lohne, sagt die Livit-Mitarbeiterin. Sie legt einen Livit-Flyer mit einer Hotline auf den Tisch. «Auf dieser Nummer können Sie uns bei Fragen jederzeit erreichen.» Darunter der Slogan: «Wir lassen Sie nicht im Stich». Franco nickt.

