Dichter Smog hüllte den halben Januar über die iranische Hauptstadt Teheran ein. Wegen des harten Winters verbrauchten die Iraner sehr viel Gas, Kraftwerke mussten auf Öl minderer Qualität ausweichen, was die Dunstglocke weiter befeuerte. Dennoch fiel in Teheran und anderen Grossstädten wie Maschhad und Tabriz mitten im Winter häufig der Strom aus. Allerdings spielte nicht nur die Kälte eine Rolle für die Blackouts, sondern wohl auch die Digitalwährung Bitcoin. Wie die staatliche Energiefirma Tavanir mitteilte, hätten stromhungrige Bitcoin-Farmen zu den Stromausfällen beigetragen.
Vor 13 Jahren stellte ein gewisser Satoshi Nakamoto, dessen wahre Identität bis heute nicht geklärt ist, über einen E-Mail-Verteiler eine digitale Währung vor, die unabhängig von Banken funktioniert. Ziel des Schöpfers: den «Kommerz im Internet» reformieren, ihn von Banken und Gebühren befreien, um Händler wie Kunden zu entlasten. Geld zu verschicken, sollte so einfach wie das Senden einer SMS werden.
Heute, da ein Bitcoin für mehr als 50’000 US-Dollar gehandelt wird, beeinflusst die Digitalwährung tatsächlich die Welt – allerdings nicht unbedingt zum Guten. Etwa im gleichen Masse, wie die Kurse für Bitcoin gestiegen sind, ist der Stromverbrauch durch die Währung in die Höhe geschossen. Laut dem Cambridge Centre for Alternative Finance, das den Stromverbrauch von Bitcoin modelliert, liegt dessen Elektrizitätsbedarf momentan schätzungsweise bei 129 Terawattstunden (TWh) pro Jahr.
130 Millionen Tonnen CO₂ – allein in China
Wäre Bitcoin ein Land, stünde es beim Stromverbrauch an 28. Stelle, zwischen Schweden und der Ukraine. Damit steigt auch die Belastung für das Klima. Alleine in China könnte Bitcoin bis 2024 mit bis zu 130 Millionen Tonnen CO₂ mehr Kohlendioxid verursachen als ganz Italien, warnt eine Studie in «Nature Communications». Dabei werden trotz dieses massiven Energieverbrauchs über Bitcoin momentan lediglich zwischen zwei und fünf Zahlungen pro Sekunde abgewickelt.

