Er muss es schon fast physisch spüren, den Druck, die Ränkespiele, die offenen und die anonymen Drohungen. Rund um FDP-Bundesrat Ignazio Cassis baut sich eine bedrohliche Kulisse auf. Seit dem Rücktritt von Eveline Widmer-Schlumpf (BDP) vor fünfeinhalb Jahren wurde kein Bundesratssitz mehr so offen infrage gestellt wie jener des Tessiners.
Die Grünen verkünden: «Wenn der Trend sich so fortsetzt, wäre es logisch, erneut die FDP anzugreifen.» Die Grünliberalen frohlocken: «Es gibt im Parlament eine starke Offenheit, die Zusammensetzung des Bundesrats neu zu denken.» Und neuerdings droht sogar die SVP der FDP: «Das ständige Paktieren mit den Linken kann sich rächen!»
Was ist da los? Und warum muss ausgerechnet Cassis zittern?
Klar ist: Nach einem Jahr Corona sind die Bundesratssitze begehrter denn je. In der Krise hat der Bundesrat eine beispiellose Machtfülle erlangt. Keine andere Instanz entscheidet aktuell prägender über unser Privatleben und die wirtschaftliche Entwicklung. Und es ist einer der FDP-Vertreter, der im Bundesrat oft das Zünglein an der Waage spielt.
Die FDP – mit dem Rücken zur Wand

