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Politik

Lesbisch und muslimisch – das geht

Eine neue Beratungsstelle hilft muslimischen Menschen, die von den Islam-Verbänden nicht abgeholt werden: emanzipierte Frauen, Homosexuelle, Konvertitinnen.

Hier die Mehrheitsgesellschaft, dort die Gemeinschaft der muslimischen Migranten – zusehends vermischen sich diese beiden Gruppen. Muslime heiraten Christen, Christinnen werden Musliminnen. Für solche Menschen halten die bisherigen Islamverbände kaum befriedigenden Antworten bereit, da diese auf die eigene Identität fokussiert sind. Als Alternative zu ihnen spricht der Verein für einen offenen, progressiven Islam «Al Rahman – mit Vernunft und Hingabe» bewusst Menschen in Mischehen und Konvertitinnen an. Nachdem er in Schlieren bereits einen Gebetsraum eröffnet hat, gründet er jetzt auch eine Beratungsstelle.

Initiant Kerem Adigüzel, ein 33-jähriger türkischstämmiger Schweizer, der bei den SBB arbeitet, ist mit vielen Fragen von Menschen in der Diaspora konfrontiert. Etwa mit der Sorge einer Muslimin: «Darf ich mich kremieren lassen? Muss ich Richtung Mekka begraben werden oder muss mein Leichnam in die Heimat überführt werden?» Adigüzel sagte ihr, dass der Koran dazu keine Regel habe und er sie auf Wunsch an eine geeignete Moschee weiterleiten könne.

Laut Adigüzel nehmen speziell Beratungen im interreligiösen Bereich zu. Dazu gehören Anfragen von Konvertiten oder Ehewilligen aus unterschiedlichen Religionen. Gerade hat er ein Zoom-Meeting mit einer Muslimin vereinbart, die einen Christen heiraten will. Ihre muslimischen Eltern verlangen wegen der Tradition vom Mann, dass er konvertiert. Adigüzel versucht, falls gewünscht, auch den Eltern zu erklären, dass der Koran dies nicht verlange – sondern das dies nur das dem Koran übergestülpte Patriarchat mache: «Hauptsache, der Mann ist als Oberhaupt der Familie Muslim.»

Aus Liebe konvertierte er

Von Adigüzel abgesehen, besteht das Team der neuen Beratungsstelle aus Konvertiten. Sie fühlen sich von ihrer eigenen Erfahrung her berufen, Leute in ähnlicher Situation zu beraten. Nic Schenkel etwa, Pflegefachmann in einer Zürcher Psychiatrie, ist mit einer bosnischen Muslimin verheiratet. Auf ihren Wunsch haben sie in der bosnischen Moschee von Schlieren geheiratet, er konvertierte davor.

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