Billig oder Bio? Was wir essen, sagt viel über unsere Lebensweise aus. «Noch nie hatten wir eine solch breite Auswahl an Nahrungsmitteln – zu solch günstigen Preisen», sagt Christine Schäfer, die am Gottlieb-Duttweiler-Institut zu Ernährungs- und Konsumthemen forscht. «Wie wir einkaufen, hängt von unseren finanziellen Möglichkeiten ab, aber auch stark von persönlichen und politischen Wertvorstellungen.»
Geld, Identität, politische Ideale: Kein Wunder, provozieren die Agrarinitiativen, die am 13. Juni zur Abstimmung kommen, emotionale Debatten. Denn unbestritten ist: Sie hätten einen wesentlichen Einfluss darauf, was künftig in unseren Einkaufskörben landet.
Die Pestizidinitiative will den Einsatz von synthetischen Pflanzenschutzmitteln in der Schweiz komplett verbieten, ebenso wie den Import von Lebensmitteln, die mithilfe solcher Pestizide hergestellt wurden. Bei einer Annahme der Initiative stünden – nach einer zehnjährigen Übergangsfrist – nur noch Waren in den Regalen, die in zentralen Punkten (wenn auch nicht in allen) Schweizer Biostandards entsprechen.
Was pestizidfreies Essen kostet
Für die Gegner der Initiative steht fest: Das Essen auf unserem Teller würde dadurch viel teurer. «Ein Bio-Einkaufskorb kostet heute rund 50 Prozent mehr als einer mit Lebensmitteln aus konventioneller Produktion», sagt Francis Egger, Vizedirektor des Schweizerischen Bauernverbands, mit Verweis auf eine Untersuchung des Bundesamts für Landwirtschaft. «Selbst wenn das Plus nur 20 oder 30 Prozent betrüge, wäre dies für Familien mit kleinem Budget untragbar.» Es wundere ihn, dass die Verfechter dieser Initiative diesen Aspekt einfach ausklammerten.

