Zur Begrüssung führt er die Hand ans Herz und macht einen Knicks, sodass sich die Nadelstreifenhosen am Knie straffen. Max Vetter hat heute Spätschicht und beginnt erst um halb drei. Am vergangenen Wochenende wurde der 27-Jährige zum «World’s Best Receptionist» gekürt. Bei Rollenspielen und anderen Tests hat er sich gegen Réceptionistinnen und Réceptionisten von Paris bis Shanghai durchgesetzt.
In den ersten Minuten sagt Max Vetter unglaublich oft «unglaublich». Er wird dabei von leiser Klaviermusik begleitet.
Was gefällt Ihnen so sehr am Wort «unglaublich», Herr Vetter?
Max Vetter: Ich sage das normalerweise nicht so oft. Aber gerade hilft es mir, zu beschreiben, wie surreal dieser Titel ist. Anfang Woche sind Gäste angereist und haben gesagt: «Are you Max? The World’s Best Receptionist?» Das war unglaublich. Eigentlich ist es ja meine Aufgabe, die Menschen zu erkennen.
Sie haben im März 2020 im Hotel Baur au Lac angefangen. Mussten Sie sich da zuerst durch eine Kartei von Gästen ackern und deren Wünsche verinnerlichen?
Natürlich. Es kann ja nicht sein, dass ich einen Stammgast, der schon 100-mal hier übernachtet hat, frage: «Ist das Ihr erster Aufenthalt?» Aber bei uns im Computer steht auch, wenn ein Reisender besonders weiche Kissen wünscht oder eine bestimmte Zeitung.
Machen Sie Notizen zu den Gesprächen mit den Reisenden?
Nein, ein Notizbuch habe ich nicht. Es ist meine Aufgabe, mir auch Feinheiten einzuprägen. Das gelingt mir ziemlich gut.

