Ein vertiefter Kreis in der Wiese, gefüllt mit Wasser, erfüllt mit Blütenblättern. Leise treiben sie, vom sanften Wind angeregt, gegen den Rand. Und immer wieder kommt eine Meise oder ein Spatz oder eine Amsel oder sonst ein Tier und trinkt. Das Bild der Harmonie, der Ruhe, ein Bild harmonischer Schönheit. Solche Flecken täten jedem Garten gut, sie erfreuten Menschen und gäben Insekten und Vögeln Lebensqualität.
Doch leider sehe ich – vor allem bei neueren Bauten – immer häufiger Anlagen, die aus kurzgeschorenem Rasen oder Steinen bestehen. Klar, sie brauchen weniger Pflege, im Geröllhaufen entfällt das Jäten. Doch sie wirken kalt, obwohl die Steine die Hitze speichern. Blumen und Gräser sind verbannt, alles ist sauber aufgeräumt. Ich denke, dass Bienen und andere Insekten oft verzweifelt und suchend herumschwirren, um vielleicht doch ein kleines Müllerblümchen zu finden.
Jetzt übertreibe ich, denn hier bei uns spielen Gärten eine – erfreulicherweise – grosse Rolle. Doch schleichend breitet sich der Hang zur Bequemlichkeit aus. Natürlich, das Leben ist hektischer geworden, doch Zeit und Gewinnmaximierung sind Feinde der Biodiversität. Und – würden die Menschen ebenso zahlreich in einen Steingarten pilgern, wie zur Blütenpracht auf der Insel Mainau? (Guy A. Lang)

