Es gibt eine Gruppe in der Gesellschaft, die wünscht sich noch viel mehr als alle anderen, dass bald keine Maskenpflicht mehr nötig ist: Hörbehinderte sind zur Kommunikation darauf angewiesen, die Lippen des Gegenübers zu sehen. Rund 600’000 Menschen leben laut dem Schweizerischen Hörbehindertenverband Sonos hierzulande mit Hörproblemen. Nochmals etwa gleich viele haben ebenfalls Hörprobleme, gelten aber nicht als hörbehindert.
Für sie gibt es jetzt eine gute Nachricht aus Flawil SG: Die Firma Flawa stellt dort ab sofort pro Woche 30’000 medizinische Masken vom Typ II mit transparentem Fenster her. Durch dieses sind die Lippen sichtbar, und die Umgebung ist trotzdem vor Tröpfchen geschützt. Der Anstoss für diese Produktion kam von einer ganzen Reihe von Hörbehindertenverbänden, darunter Sonos.
«Riesige Erleichterung»
«Dass jetzt im Inland solche Masken produziert werden, ist für alle hörbehinderten Menschen in der Schweiz eine riesige Erleichterung», freut sich Eva Graf vom Pädagogischen Zentrum für Hören und Sprache (HSM) in Münchenbuchsee BE; sie ist Vorstandsmitglied von Sonos. Im HSM gehen total 220 Kinder zur Schule; der ambulante Dienst des Zentrums betreut knapp 600 Kinder in Regelschulklassen. «Für unsere Mitarbeitenden habe ich jetzt schon 2000 solche transparenten Masken vorbestellt», sagt Graf.
Zwar benutzen die Lehrer und Betreuer am HSM schon seit Monaten transparente Masken, die auf dem Weltmarkt zusammengekratzt wurden. «Aber keines der Produkte, sei es aus den USA, Südkorea, Bulgarien oder China, ist nach Schweizer Standards zertifiziert», sagt Graf. Die Flawa-Maske dagegen ist auf die Standards des Bundesamts für Gesundheit (BAG) hin geprüft. Hinzu komme, dass es bei den Masken aus dem Ausland oft zu Lieferschwierigkeiten gekommen sei. Und dann waren sie mangels geordneter Importstrukturen auch noch deutlich teurer als jene, die neu bei der Firma Flawa vom Band laufen.

