Kein Schweizer Holz trotz Versprechen der Gemeinde?
Es war ein Zufall, den Ralf Krummenacker aufhorchen liess. Der Hittnauer Förster war wegen eines eigenen Auftrages in einer regionalen Sägerei zugegen. Dort wurde ihm spontan angeboten, das Holz für das neue Gemeindehaus anzuschauen. «Natürlich sagte ich Ja», erzählt Krummenacker. «Doch was ich sah, hat mich schockiert.» Denn auf den Balken, die da lagen, prangte das Logo der Firma «Bestwood Schneider GmbH» – eine Firma, die zwar einen Sitz in der Schweiz hat, deren Produktion aber in Deutschland liegt.
«Der Gemeinderat hat versprochen, Schweizer Holz für den Neubau des Hittnauer Gemeindehauses zu verwenden», sagt Krummenacker, der sich im Herbst an einer Informationsveranstaltung persönlich dafür eingesetzt hatte. In der Ausschreibung für das Projekt war denn auch klar festgehalten: «Der Nachweis ist entweder mit HSH-Zertifikat (Herkunftszeichen Schweizer Holz) oder anderer, gleichwertiger Zertifizierung und entsprechender Herkunftsdeklaration zu erbringen.» Zudem stand in dem Dokument, dass das Holz in der Schweiz oder im Fürstentum Liechtenstein verarbeitet werden müsse.
Verarbeitung im Ausland
«Mit dem Holz der Bestwood Schneider GmbH ist diese Voraussetzung nicht erfüllt», sagt Krummenacker. Zwar hat die Firma in einem Schreiben bestätigt, dass dieselbe Rohmenge an Holz, die für das Hittnauer Gemeindehaus eingesetzt wird, in der Schweiz eingekauft werde. «Aber eine derart grosse Firma kann nicht garantieren, dass der Baumstamm, der einst aus der Schweiz angeliefert wurde, nach dem Bearbeitungsprozess wieder zielgenau in Hittnau ankommt.»
Zweimal Holz für Hittnau
03.04.2020

Gemeinde- und Ärztehau
Dem Wunsch aus der Bevölkerung wird Rechnung getragen: Sowohl beim neuen Hittnauer Gemeindehaus w Beitrag in Merkliste speichern Ebenfalls wurde ein zweiter Holzlieferant beauftragt, der seinen Sitz im Fürstentum Liechtenstein hat. Von jener Firma liegt ebenfalls ein Schreiben vor, das die Verwendung von Schweizer Holz garantiert. Die Bearbeitung im Fürstentum Liechtenstein wäre zwar laut Ausschreibung ebenfalls erlaubt – das Verarbeitungswerk der betroffenen Firma befindet sich jedoch im Zentrum Österreichs.
Ralf Krummenacker, der in Hittnau auch als SVP-Ortspräsident bekannt ist, zieht ein klares Fazit: «Die Gemeinde hat die Aufträge richtig ausgeschrieben, aber das Ergebnis ist nicht das, was der Bevölkerung versprochen wurde. Und jetzt ist es zu spät.» Tatsächlich wurde ein grosser Teil der umstrittenen Holzbalken bereits Mitte April auf der Baustelle für das neue Gemeindehaus verbaut.
Im Gemeindehaus nehme man die Kritik ernst, sagt Carlo Hächler (FDP), Gemeindepräsident ad interim. «Wir sind bisher davon ausgegangen, dass wir tatsächlich Schweizer Holz bekommen haben.» Aufgrund von Krummenackers Einschreiten hat der Gemeinderat aber das Gespräch mit dem regionalen Holzbauer gesucht, der das Holz von den beiden Lieferanten bezieht, um die Lieferkette überprüfen zu können.
Nun liegen die Ergebnisse vor: «Uns wurde bestätigt, dass bisher nur Schweizer Holz verbaut wurde», sagt Hächler. «Wenn sich der Verdacht von Herr Krummenacker bekräftigt hätte, würde auch bei uns schlechte Laune herrschen.»
«Grundsätzlich können wir froh sein, überhaupt genug Schweizer Holz für das Gemeindehaus bekommen zu haben.»
Carlo Hächler (FDP), Gemeindepräsident ad interim
Das Zertifikat HSH erlaube es zudem, dass 40 Prozent der Wertschöpfung der Verarbeitung des Holzes im Ausland erfolgt. «Das Holz wurde zwar in Deutschland und Österreich gesägt und verleimt, aber der Grossteil der Arbeit erfolgte in der Schweiz.» Die Schweizer Betriebe würden gar nicht die Kapazität haben, jegliches Schweizer Holz auch zu 100 Prozent verarbeiten zu können. «Darum erlauben diese Zertifikate auch eine gewisse Internationalität», so Hächler. «Grundsätzlich können wir aber froh sein, überhaupt genug Schweizer Holz für das Gemeindehaus bekommen zu haben.»
Denn der Holzmarkt habe sich in den letzten Monaten dramatisch verändert. «Es gibt krasse Lieferengpässe.» Dies ziehe zwar für die Gemeinde keine Mehrkosten nach sich, stelle aber nicht zuletzt ein Problem für das nächste Projekt der Gemeinde, den Bau des Wohn- und Ärztehauses «Hittnau Care» dar. Denn auch für dieses soll aufgrund des Wunsches aus der Bevölkerung Schweizer Holz verwendet werden. «Und dort ist die schiere Menge an Holz, die gebraucht wird, um einiges grösser.»
Andere Kommunikation erhofft
Die Bestätigung, es sei tatsächlich Schweizer Holz für den Bau verwendet worden, nimmt Ralf Krummenacker weiterhin nicht für voll. Er beharrt auf seinem Standpunkt: «Die Bestwood Schneider GmbH ist ein zu grosser Betrieb, als dass sie auch nur annähernd sicherstellen kann, dass Schweizer Holz für einen bestimmten Auftrag verwendet wurde.»
Zudem zweifelt er daran, dass die Firma tatsächlich das Label HSH vorweisen könne. Er habe dafür extra bei Verantwortlichen des Schweizer Holzbauverbandes Lignum, der für die Qualifizierung für das Label verantwortlich ist, nachgefragt. Eine Liste der Anbieter mit Label ist auch auf der Website der Lignum öffentlich einsehbar. Tatsächlich findet sich weder die Bestwood Schneider GmbH, noch die Lichtensteinische Firma oder der engagierte Holzbauer darauf.
«Gemeinde und Baukommission haben zu wenig gut hingeschaut und die regionale Wertschöpfung und Arbeitsplatzsicherheit ausser Acht gelassen.»
Ralf Krummenacker, Hittnauer Förster
«Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass an dem Holz etwas faul ist, stünde damit die ganze Vergabe des Auftrages auf wackligen Beinen», sagt Krummenacker. Über Umwege habe er erfahren, dass auch lokale Holzbauer für den Auftrag offeriert hätten. «Und diese hätten bestimmt garantieren können, dass Schweizer Holz – am besten gleich aus Wäldern in der Umgebung – verbaut würde.»
Dem Holzbauer, der schliesslich den Zuschlag erhalten hat, macht er indes keinen Vorwurf. «Sondern der Gemeinde und der Baukommission, welche die Verträge unterschrieben haben», so Krummenacker. «Sie haben zu wenig gut hingeschaut und die regionale Wertschöpfung und Arbeitsplatzsicherheit ausser Acht gelassen.»
Carlo Hächler wiederum stellt klar: « Unser Gespräch mit dem Generalunternehmer und der Holzbaufirma hat uns glaubhaft bewiesen – und zwar mit Lieferpapieren und Zertifikat – dass hundertprozentig Schweizerholz verbaut wurde. » Es könne nicht sein, dass die Baukommission überprüfen müsse, ob übergebene Unterlagen korrekt erstellt wurden. « Ich denke, dass sich unsere Partner nicht erlauben können, Dokumente zu fälschen. »
Einen positiven Aspekt kann Ralf Krummenacker der ganzen Geschichte abgewinnen. «Ich gehe davon aus, dass der Gemeinderat bei den Vergaben für zukünftige Aufträge wie etwa Hittnau Care genauer auf die Deklarationen achtet.» Er werde die Entwicklungen ebenfalls weiterhin genau verfolgen.
