Eine schlanke Reform soll endlich Erfolg bringen. Der Bundesrat hat die Konsequenzen aus der Niederlage in der Volksabstimmung von 2017 gezogen. Statt auf ein grosses Gesamtpaket für AHV und Berufliche Vorsorge (BVG) setzt er diesmal auf zwei getrennte Reformen.
Doch dagegen gibt es nun Widerstand. Der überparteiliche Frauendachverband Alliance F sowie Sozialpolitikerinnen im Nationalrat verlangen auch diesmal eine parallele Reform beider Säulen. Zwar wollen sie nicht eine juristische Verknüpfung wie 2017, jedoch sollen beide Revisionen parallel behandelt und abgeschlossen werden.
Die Forderung der Frauen ist politisch brisant, denn bei der AHV besteht die geplante Reform im Wesentlichen aus der Erhöhung des Frauenrentenalters auf 65.
Eine Rentenaltererhöhung für die Frauen sei undenkbar, wenn nicht gleichzeitig der Systemfehler in der zweiten Säule behoben werde, sagt jetzt Maya Graf, Co-Präsidentin von Alliance F. Der Systemfehler besteht darin, dass Teilzeitangestellte und Tieflohnempfängerinnen nur über eine schlechte oder gar keine Absicherung in der zweiten Säule verfügen. Davon sind zwar auch Männer, aber mehrheitlich Frauen betroffen. «Die fehlenden oder tiefen Pensionskassenrenten führen dazu, dass die Frauen nach ihrer Pensionierung im Schnitt 37 Prozent tiefere Renteneinkommen als Männer haben», sagt die grüne Baselbieter Ständerätin.
Der Schlüssel zur besseren Absicherung der Frauen liegt im sogenannten Koordinationsabzug. Dieser wurde eingeführt, um eine Überversicherung durch erste und zweite Säule zu verhindern. Pensionskassenbeiträge werden nur auf dem um 25’000 Franken verringerten Bruttojahreslohn erhoben. Wer jedoch wenig mehr als 25’000 Franken verdient, zahlt kaum in die Pensionskasse ein und erhält bloss eine minimale Rente. Deshalb fordert Alliance F, den Koordinationsabzug ganz abzuschaffen oder abzusenken. Damit wären auch tiefe Löhne versichert.

