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Politik

Namhafte Forschende geben die Ja-Parole zur CO₂-Abstimmung raus

Eigentlich hält sich die Wissenschaft aus der Politik raus. Mehr als hundert Forschende machen jetzt eine Ausnahme und setzen sich für ein Ja zum CO₂-Gesetz ein.

Es kommt selten vor, dass sich die Wissenschaft in politische Prozesse einmischt, ja sogar eine Abstimmungsparole abgibt. Eigentlich gilt das als tabu im Kreis der Wissenschaft. Nun haben mehr als hundert Forschende, darunter die bekanntesten Klimaforscher der Schweiz, öffentlich die Ja-Parole zur CO₂-Gesetz-Vorlage abgegeben, über die am 13. Juni abgestimmt wird. Das ist ein ungewohntes Vorgehen.

Für die Wissenschaftler sind die Fakten für den menschengemachten Klimawandel schon lange bekannt. «Die Dringlichkeit der Klimaveränderung rechtfertigt entschiedenes Handeln», schreiben sie in der Mitteilung. Sie sehen im breit abgestützten verschärften CO₂-Gesetz «einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung», um das Klimaziel der Schweiz zu erreichen – bis 2050 praktisch keine fossilen Treib- und Brennstoffe mehr zu verbrennen, also klimaneutral zu sein. Das Gesetz setze der Wirtschaft und der Bevölkerung einen «klaren Rahmen, innerhalb dem die Wirtschaft die besten Lösungen erarbeiten kann».

Die Klimaforschung ist ein gebranntes Kind. Klimalügner und Skeptiker gegenüber der Klimaforschung prangerten den Weltklimarat IPCC immer wieder an, die Wissenschaft sei viel zu nahe am politischen Prozess der internationalen Klimapolitik. Tatsächlich gab es Interessenkonflikte bei einzelnen Forschern. Doch renommierte Klimaforscher wie Thomas Stocker erklärten stets, dass die Forscher nie Kompromisse eingehen mussten, die wissenschaftlich unhaltbar waren. Inzwischen sind nur noch vereinzelte Stimmen zu hören, die den Vorwurf der Abhängigkeit aufrechterhalten.

«Es besteht die Gefahr, dass wissenschaftliche Fakten plötzlich als Meinung angesehen werden.»

Michael Herrmann, Politgeograf Forschungsinstitut Sotomo

Dennoch: Der aktuelle Positionsbezug der Wissenschaftler zum CO₂-Gesetz löst unterschiedliche Reaktionen aus. Es sei der Wissenschaft unbenommen, sich in eine öffentliche Debatte einzumischen, auch in einen Abstimmungskampf, sagt Michael Hermann vom Forschungsinstitut Sotomo. Eine andere Frage sei jedoch, ob dies sinnvoll und zweckdienlich sei. Für Hermann ist die Antwort darauf «nicht so eindeutig». Zwar sei es wichtig, dass die Bevölkerung beim Klimathema die Fakten genau kenne. Aber: Je politischer die Wissenschaft werde, desto verhandelbarer könnten ihre Positionen werden, sagt der Politgeograf. «Es besteht die Gefahr, dass wissenschaftliche Fakten plötzlich als Meinung angesehen werden.» Diese Gefahr sei umso grösser, wenn die Wissenschaft zu apodiktisch auftrete und signalisiere, dass nur sie die Wahrheit kenne. «Im vorliegenden Fall scheint mir der Ton jedoch gut getroffen.»

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