Die Pläne des Bundesrats eröffnen den Jungen Perspektiven, so dürften im Verlauf des Sommers Konzerte oder kleine Festivals wieder möglich werden. Wie gross ist die Freude?
Von Freude kann keine Rede sein. Für diese Aussichten zahlen nicht nur die Jungen, sondern alle, die nicht zur besonders gefährdeten Bevölkerungsschicht zählen, einen sehr hohen Preis. Wir werden dem Virus zum Frass vorgeworfen, denn nur weil wir nicht direkt daran sterben, ist das Virus nicht ungefährlich für uns.
Weshalb kommen Sie zu einer derart drastischen Einschätzung?
Der Bundesrat hat gestern beschlossen, mehr Corona-Erkrankungen zuzulassen, bevor er Verschärfungen prüft. Dabei sollte es umgekehrt sein: Wenn mehr Menschen geimpft sind, sollten die Fallzahlen sinken, damit das Risiko für jene, die sich noch nicht impfen lassen können, nicht ansteigt. Das ist simple Mathematik: Wenn die Gruppe von nicht Geimpften kleiner wird und die Fallzahlen konstant bleiben, steigt ihr Risiko für eine Erkrankung. Das Nachsehen haben jene, die sich als Letzte impfen lassen können.
Sie betrachten Junge als die grossen Verlierer der Öffnungsstrategie?
Sobald 40 bis 50 Prozent der Bevölkerung einen Impfschutz erhalten haben, sollen sogar explizit höhere Fallzahlen in Kauf genommen werden. In der Folge werden sich mehr jüngere Leute anstecken. Dabei weiss man doch, dass vermehrt auch junge Menschen schwer an Covid erkranken können und auch an Long Covid leiden. Das Signal ist klar: Ihr habt euch jetzt mehr als ein Jahr eingeschränkt aus Solidarität mit besonders gefährdeten Personen, aber jetzt, da diese geschützt sind, ist es uns egal, wenn ihr zwei Wochen vor eurem Impftermin Opfer von Long Covid werdet.
Sie plädieren demnach für eine Verlängerung des Shutdown, bis alle Personen, die das auch wollen, geimpft sind?
Wir müssen die Pandemie mit den notwendigen Massnahmen weiterhin eindämmen. Ziel muss es sein, dass der Anteil der Covid-Erkrankungen bei Menschen, die sich noch nicht impfen konnten, nicht weiter ansteigt. Damit sollten trotzdem gewisse Lockerungen möglich werden. Das vorgeschlagene Vorgehen, das höhere Fallzahlen provoziert, ist aber der falsche Weg. Mit steigendem Infektionsrisiko können nur die bereits Geimpften die Privilegien wirklich geniessen. Die Jungen laufen hingegen Gefahr, dass sie Opfer einer Durchseuchungsstrategie werden und sich mit Covid-19 anstecken. Der Bundesrat scheint den unsäglichen Ideen von Arbeitgeberpräsident Valentin Vogt auf den Leim zu kriechen. Der hat gesagt, mit 30’000 Ansteckungen pro Tag könnte das Land leben, ohne die Spitäler zu überlasten. Das ist nicht nur zynisch, sondern stellt auch die viel gepriesene Solidarität aufs Spiel.
«Ich lehne heute Impfprivilegien ab, mindestens solange nicht alle Zugang zur Impfung haben.»

