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Politik

Ausweichend bis «absurd»: Schweizer Verlage zur Gorman-Debatte

Die deutsche Ausgabe von Amanda Gormans Gedicht ist da. Doch der Streit, wer wen übersetzen darf, geht weiter. Wir haben bei Verlegerinnen und Übersetzerinnen nachgefragt.

Und die schweizerdeutsche Version? Wer könnte Amanda Gormans Gedicht   « The Hill We Climb » , das sie zu Joe Bidens Inauguration schuf, in Mundart übertragen? Wer dürfte es?

I n der identitätspolitischen Debatte   ist   eine   sonst kaum beachtete   Berufsgruppe   unverhofft   in s Rampenlicht   geraten:   die   Übersetzer   und Übersetzerinnen . In den Niederlanden und auch für die katalanische Übersetzung wurden die designierten weissen Gorman-Übersetzer nach aufgeregten Diskussionen ersetzt.

Wer darf wem seine Stimme leihen?   Literarisches Übersetzen ist einfühlende Stimmenimitation: Und ebendiese steht im Brennpunkt des Streits darüber, wie und von wem diskriminierte Gruppen in der Kultur (und anderswo) angemessen repräsentiert werden können.

2020 gab   der aus einer jüdischen (weissen) Familie stammende Comedian Hank Azaria   bekannt, dass er   in der Zeichentrick s erie   « Die Simpsons » keine schwarzen und asiatischen Figuren mehr sprechen w e rd e .   Jüngst entschuldigte er sich   noch einmal   dafür, dass er seit 1990 der   Figur des Inders Apu s eine Stimme lieh:   Er habe Jahre gebraucht, um,   in s e ine r blinden Position des Privilegs, zu erkennen, welchen Schaden seine unbedachte Darstellung an ge richte t habe .

Einfühlende Repräsentation ist zum künstlerischen Kantengang geworden und steht unter Generalverdacht: Ist sie überhaupt möglich? Wo   mutiert   sie   zu   Übergriffigkeit, kulturelle r   Aneignung, gar Verdrehung? Wo ist sie mehr selbstverliebte Performance als echte Empathie? Versuchen Privilegierte   für Entrechtete zu sprechen, reproduzieren sie vielleicht gerade dadurch   die alltägliche Diskriminierung .

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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