Wenn man wissen möchte, was das Coronavirus noch an unschönen Überraschungen bereithält, dann geht der Blick immer wieder nach Grossbritannien. Dort sind Forschungsinstitute und Gesundheitsbehörden besonders gut darin, neue Virusvarianten zu erkennen und die Gefahr einzuschätzen, die von ihnen ausgeht.
Weil in Grossbritannien besonders viele Sars-CoV-2-Proben sequenziert, also auf ihr Erbgut hin untersucht werden, lässt sich die Verbreitung einer neuen Mutante dort gut nachvollziehen. Und leider gilt in der Regel auch: Wenn sich eine neue Virusvariante in einem Land wie Grossbritannien trotz hoher Impfquote und immer noch geltenden Massnahmen schnell ausbreitet, dann wird das an anderen Orten der Welt vermutlich genauso passieren.
Heftige Welle zieht über Indien
Der neueste Anlass zur Sorge heisst B.1.617, auch «indische Variante» oder «indische Doppelmutante» genannt. In Indien verlief die Pandemie lange Zeit vergleichsweise glimpflich, obwohl in dem Land mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern viele Menschen auf engstem Raum und unter schwierigen hygienischen Bedingungen leben. Doch derzeit zieht eine heftige Corona-Welle über das Land. Seit rund einer Woche explodieren in Indien die Infektionszahlen, zuletzt waren es 273'000 neue Fälle pro Tag. Schuld daran könnte die neue Virusvariante sein.
Nun ist B.1.617 auch in Grossbritannien angekommen. Dort haben Experten die Variante in den vergangenen Tagen in 73 Proben nachgewiesen – obwohl schon viele Briten geimpft sind und die besonders ansteckende Variante B.1.1.7 dort heimisch ist. Mittlerweile gebe es in England und Schottland auch mehrere B.1.617-Infektionen von Personen, die zuvor nicht in Indien gewesen seien, sagt Susan Hopkins, Epidemiologin bei der britischen Gesundheitsbehörde NHS: Die Virusvariante wurde also innerhalb des Landes weitergetragen.

