Sanft wiegen sie sich schwebend in den Fenstern, ein zarter Hauch genügt und sie zittern. Der Raum – er diente wohl als Werkstatt – scheint schon lange verlassen, die Spinnen konnten ungestört ihr Werk vollenden. Ruhe, Einsamkeit und die Erinnerung an einst geschäftige Zeiten erfüllen die Räumlichkeit. Eine Oase, mitten in einem kleinen Bergeller Dorf, eine Atmosphäre wie verzaubert. Doch so verschlafen wie es diese Örtlichkeit suggeriert, sind weder Orte noch Menschen in diesem südlichen Schweizer Tal.
Im Gegenteil, überall sind die Bewohnerinnen und Bewohner im Frühling damit beschäftigt die Spuren des Winters zu beseitigen. Noch gibt es im oberen Tal Flecken mit Schnee, während tiefer unten Kamelien und Magnolien um die Wette blühen. Da werden geknickte Äste und Bäume geschnitten, Wiesen für Schafe eingezäunt, in Gärten gepflanzt, gehegt und gepflegt.
Auf den ersten Blick scheinen die Menschen scheu, reserviert und zurückgezogen. Doch wenn es gelingt, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, plaudern sie von einem Thema zum Nächsten. Was in den Fenstern der schwebenden Spinnennetze verletzlich und geheimnisvoll scheint, ist im realen Leben handfest und menschlich. (Guy A. Lang)

