Genau hier, in der Kapelle des Bruderholzspitals, stand sie auch vor einem Jahr. Aber damals schaute niemand herein. Das ganze Spital war leer. «Eine gespenstische Leere», sagt Pfarrerin Cornelia Schmid t . Innert weniger Tage war das Spital g eräumt worden. Patientinnen und Patienten kamen an Krücken auf den Vorplatz hinaus oder wurden in Rollstühlen oder auf Liegen ins Freie geschoben, auf Krankentransport e verteilt und in ein anderes Spital gebracht .
Das Bruderholz wurde Mitte März zu einem Referenzspital umfunktioniert und blieb es bis Anfang Sommer; fortan würden hier nur noch Corona-Patienten behandelt. Die Sonne schien wie heute, und das Wetter kontrastierte in seiner strahlenden Schönheit scharf mit der Stimmung der Menschen. Es war bizarr. «Wir waren alle in Sorge. Wir wussten nicht, was auf uns zukommt», sagt Schmidt. Vor einem Jahr kannte man das Virus kaum.
Eine Pfarrerin, die nicht wie eine Pfarrerin aussieht
Pfarrerin Schmidt sitzt quer im Sessel, ein Bein über die Armlehne geschwungen. Sie trägt Jeans, Turnschuhe und grosse Ohrringe , gestikuliert lebhaft, redet ungezwungen. Begegnete man ihr im Spitalgang, könnte man meinen , sie sei die Physiotherapeutin oder die Spitaldirektorin. N icht aber die Pfarrerin.

