Mein Grossvater hatte im Entrée einen alten, weiss gestrichenen Schrank. Darin bewahrte er sein Werkzeug auf. Er war kein Handwerker. Aber es gab eine hölzerne Werkzeugkiste mit allerlei Werkzeug und eine Stofftasche, eine zum Rollen aus starkem Drillich, mit Schuhmacherwerkzeug. Zudem in vielen Dosen, Büchsen und anderen Behältnissen Schrauben, Muttern, Nägel, Draht, Unterlagsscheiben und tausend andere Dinge.
Ja, sogar gebrauchte Hufeisen gab es, obwohl niemand in der Familie ein Pferd hatte. Nichts davon war gekauft. Alles von irgendwo, irgendwann, irgendwie zusammengetragen und in diesem Schrank verstaut. Für mich als Kind war es ein Wunderschrank, ein Paradies. Denn er versprach tausend Möglichkeiten, etwas zu basteln oder zu reparieren.
Diese Sammelleidenschaft habe ich sicher von meinem Grossvater geerbt: «Das ist ja noch gut, das kann man nicht fortwerfen!» – und so sammelt sich einiges im Keller, im Estrich oder wo sich noch so Plätzchen finden. Und so setzen nebst einem Bohrständer und einer Lampenfassung diverse Behälter, Töpfe, Körbchen, Vasen, Farbkübel, Kinderspielsachen und noch viel anderes im Laufe der Jahre Staub an.
Man weiss ja nie. Und alle, die wie ich, so vieles für alle Fälle aufbewahren, werden immer wieder bestätigt. Gibt man sich mal einen Ruck und räumt etwas weg, so vergehen keine fünf Tage und man wäre furchtbar froh, wäre jetzt dieses Ding, welches eben erst entsorgt wurde, noch im Keller. Man weiss ja nie.
«Und wenn alle Behälter platschvoll sind, fahre ich zur Entsorgungsstelle und werde mit Genuss alles los.»

