«Ich würde lieber von einem Auto angefahren, das 30 statt 50 km/h fährt»
Im Vorfeld der Sitzung des Grossen Gemeinderates Illnau-Effretikon liess sich ein Grossteil der Mitglieder auf das Corona-Virus testen. Der Stadtrat nahm vollzählig an der Testung teil. Solch klare Ergebnisse und Fakten, wie diese Testaktion ergab – alle negativ – waren in der Diskussion um das Postulat von Beat Bornhauser (GLP) nicht herauszuhören.
Er forderte in seinem Antrag bezüglich der Erhöhung der Verkehrssicherheit und Reduktion der Umweltbelastung in der Stadt, den 14 weitere Gemeinderäte und Gemeinderätinnen unterzeichnet hatten, der Stadtrat möge dafür nötige Massnahmen prüfen. Dabei seien insbesondere die Kantonsstrassenabschnitte Usterstrasse zwischen Einfahrt Länggasse bis zum Rösslikreisel, die Weiler Agasul, Billikon, Luckhausen, Ettenhusen und Bietenholz sowie allfällige weitere Strassenabschnitte einzubeziehen.
Dorfplatz erhitzt noch immer die Gemüter
«Ich will keine Schlagzeilen mehr lesen, dass auf unserem Gemeindegebiet Unfälle passieren», stellte er am Rednerpult klar. In Städten wie Zürich und Winterthur sei es schon heute möglich, auf Kantonsstrassen mit entsprechender Signalisation durch Temporeduktionen die Sicherheit zu erhöhen und die Lärmimmissionen zu senken. «Gerade Tempo-30-Zonen werden als zweckmässige Massnahmen zur Lärmreduktion dargestellt.»
Wie Bornhauser bereits in seiner Begründung festhielt, wurden im Bericht zu einem Kantonsrat-Postulat von Andreas Hasler (GLP) vor einigen Jahren Strecken aufgelistet, welche die gesetzlichen Anforderungen an eine Temporeduktion erfüllen und näher untersucht werden sollen. Dazu gehören in Illnau-Effretikon die Bahnhofstrasse und die Effretikonerstrasse in Oberillnau. In Kyburg wurde die Einführung von Tempo 30 beantragt und mittlerweile eingeführt.
Jetzt gilt in ganz Kyburg Tempo 30
23.03.2021

Kanton zieht mit
Kyburg darf entschleunigen. Der Kanton hat grünes Licht für Tempo 30 im Dorf gegeben. Beitrag in Merkliste speichern Auch für einen gelungenen Dorfplatz Illnau sei es zwingend notwendig, die Verkehrssicherheit zu erhöhen und die Lärmbelastung zu senken. «Nur mit einer erfolgten Beruhigung auf der Usterstrasse erscheint ein zukunftsträchtiger Dorfplatz überhaupt möglich», so Bornhauser.
Eine Aussage, die SVP-Fraktionspräsident René Truninger auf den Plan rief: «Hätten Sie und Ihre Kollegen sich von Anfang an für die richtige Variante beim Dorfplatz eingesetzt, hätten wir dieses Problem jetzt nicht.» Unterstützung erhielt Bornhauser hingegen von Brigitte Röösli. «Das Postulat erscheint mir wie alter Wein in neuen Schläuchen», so die SP-Gemeinderätin, die sich in der Vergangenheit schon mehrmals für Verkehrsberuhigungen eingesetzt hatte. «Es scheint ganz so, als sei es mir nicht vergönnt, mit meinen Vorstössen zum Erfolg zu kommen – aber Hauptsache, wir kommen irgendwann zum Ziel.»
Streitpunkt Tempo 30
Paul Rohner (SVP) störte sich ab der Idee, zahlreiche Tempo-30-Zonen einzurichten. «Auf diesen Strassen gibt es dann keine Fussgängerstreifen mehr, wodurch die Sicherheit der Fussgänger viel eher gefährdet wird.» Nicht zuletzt müsse man auch an den öffentlichen Verkehr und die Rettungsorganisationen denken, die welche diese beruhigten Strassen ebenfalls passieren müssten. «Ich glaube niemand von uns will noch länger auf eine Ambulanz warten, wenn wir sie denn brauchen.»
Zudem zweifelte Rohner daran, dass eine Geschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde tatsächlich weniger umweltbelastend ist als etwa 50 Kilometern pro Stunde. Dies war einer der Hauptknackpunkte, in denen sich Ratsrechte und Ratslinke nicht einig werden wollten. Kilian Meier (CVP) brachte es schliesslich auf den Punkt: «Ich würde lieber von einem Auto angefahren, das nur Tempo 30 statt Tempo 50 fährt.»
Obwohl die Sitzung schon weit in die Abendstunden fortgeschritten war, zog sich die Diskussion noch einige Zeit weiter in die Länge. Schliesslich wurde das Postulat mit 26 Ja- zu 9 Nein-Stimmen deutlich zu Handen des Stadtrates überwiesen.
