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Politik

«Viele öffnen sich bei einem virtuellen Gespräch schneller»

Immer mehr Männer müssen am Lernprogramm «Partnerschaft ohne Gewalt» teilnehmen. Leiter Joder Regli über Tätertherapie per Videomeeting und die Auswirkung einer Gesetzesänderung.

Herr Regli, die Meldungen von häuslicher Gewalt sind im Kanton Zürich im Jahr 2020 gestiegen – haben auch Sie einen Corona-Effekt gespürt?
Joder Regli: Das können wir nicht mit Sicherheit sagen, die Polizeien und Opferberatungsstellen sind da die wichtigeren Gradmesser. Zumindest bis im Juni 2020 sind die Zahlen der uns von Gerichten und Staatsanwaltschaften zugewiesenen Täter konstant geblieben. Dann erfolgte allerdings aus einem anderen Grund ein starker Anstieg.

Was ist im Sommer passiert?
Auf den 1. Juli hin gab es eine Anpassung im Strafgesetzbuch. Konkret ermöglicht der angepasste Artikel 55a den Staatsanwaltschaften, einen Täter viel unkomplizierter einer Intervention wie dem Lernprogramm «Partnerschaft ohne Gewalt» (POG) zuzuweisen. Dazu muss man wissen, dass häusliche Gewalt nur in seltenen Fällen wirklich zu einer Verurteilung führt. Nun müssen die Täter unser Programm aber auch dann besuchen, wenn eine Verfahrenseinstellung droht, weil beispielsweise das Opfer seine Anzeige zurückgezogen hat. Diese Gesetzesänderung haben wir ab dem 1. Juli 2020 deutlich gespürt.

Wie hat sich das in den Zahlen gezeigt? In den vergangenen Jahren durchliefen ja jeweils gegen 50 Personen das Programm.
Die genauen Zahlen für das letzte Jahr werden wir Ende Juni vorstellen. Was ich jetzt schon sagen kann: Die Zuweisungen durch die Staatsanwaltschaft haben markant zugenommen, und wir behandeln deutlich mehr Täter. Deshalb wurde das Programm Ende 2020 auch personell stark ausgebaut: von 10 auf 18 Mitarbeitende aus den Bereichen Psychologie und Sozialarbeit. Aufgrund der gestiegenen Kapazitäten geht der Bereich Justizvollzug und Wiedereingliederung davon aus, dass uns jährlich 300 bis 500 Personen zugewiesen werden könnten, gegen die ein Verfahren wegen häuslicher Gewalt eröffnet wurde.

Programm läuft seit 21 Jahren

Die Abteilung Lernprogramme im Bereich Justizvollzug und Wiedereingliederung (Justizdirektion) bietet als eines von neun Programmen «Partnerschaft ohne Gewalt» (POG) an. Das POG richtet sich an Frauen und Männer, die innerhalb einer bestehenden oder aufgelösten Partnerschaft Gewalt ausgeübt oder angedroht haben. Täterinnen machen allerdings nur einen sehr geringen Anteil aus – sie werden in separaten Gruppen therapiert. Das Programm existiert seit dem Jahr 2000. Voraussetzung für eine Teilnahme sind ausreichende Deutschkenntnisse und keine «überlagernden psychischen Störungen». (mpl)

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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