Politik

«Mit der neuen Regelung wird der Alltag um einiges erleichtert»

Die Fünf-Personen-Limite traf grosse Familien besonders hart. Sie gehören jetzt zu den wenigen, die zumindest ein bisschen Grund zur Freude haben. Zum Beispiel die Fischers aus Bäretswil.

«Mit der neuen Regelung wird der Alltag um einiges erleichtert»

Nicht mehr als fünf Personen am Stubentisch. Diese noch geltende Vorschrift des Bundesrats, um Corona einzudämmen, macht Gross- und Patchworkfamilien den Alltag schwer. Deshalb jubelt es heute an der Weidstrasse in Dietikon. Und in einem Bauernhof etwas ausserhalb von Bäretswil im Zürcher Oberland ist die Erleichterung gross.

Grössere Lockerungen lässt die Situation noch nicht zu. Das hat der Bundesrat heute klar gemacht. Aber ab Montag sind im privaten Kreis wieder bis zu zehn Personen erlaubt.

10 Kinder, 23 Enkel

Der Bäretswiler Landwirt Gerhard Fischer und seine verstorbene erste Frau hatten fünf Kinder. Seine jetzige Lebenspartnerin Lina, ebenfalls verwitwet, brachte vier Kinder in die Ehe. Dazu kommen ein gemeinsamer Sohn und 23 Enkel.

«Natürlich sind abgesehen von unserem Jüngsten alle Kinder unterdessen ausgeflogen, doch haben wir seit jeher einen engen Zusammenhalt», sagt Fischer. Er hat mittlerweile seinen Bio-Bauernhof an seinen Sohn übergeben, wohnt aber weiterhin gleich nebenan.  Tatsächlich ist ja nicht die Kernfamilie das Problem, wo es toleriert wird, wenn diese die Fünfergrenze überschreitet. Aber Besuch der Kinder oder Enkel ist dann nicht mehr erlaubt.

«Weihnachten haben wir in drei Tranchen gefeiert und teilweise draussen gegessen.»

Gerhard Fischer

Der ehemalige EVP-Kantonsrat Fischer hat zwar grosses Verständnis für die 5-Personen-Regel, um die Pandemie möglichst in Schach zu halten, doch sagt er: «Wir freuen uns schon sehr, dass der Bundesrat heute entschieden hat, diese Grenze wenigstens auf zehn anzuheben.» Dies besonders auch in Hinblick auf das baldige Osterfest, das bei Fischers als religiöses und familiäres Fest einen hohen Stellenwert hat.

«Weihnachten haben wir in drei Tranchen gefeiert und teilweise draussen gegessen», erzählt er. «Aber erklären sie mal der kleinen Enkelin, die es gewohnt ist, dass sie bei uns ein und aus geht, dass wir nicht zu ihrem fünften Geburtstag kommen dürfen.»

Noch nicht in Vollbesetzung

Die Familie auf dem Bauernhof hat vor kurzem ihr drittes Kind bekommen. In normalen Zeiten treffen sie sich dann und wann mit den Eltern zum gemeinsamen Mittag- oder Abendessen. Dann muss nur einer kochen.

«Mit der Ankunft des Säuglings wurde das zusätzlich kompliziert, wenn wir nicht gegen die Regeln verstossen wollten», sagt Fischer. Und gerade jetzt, wo im Zürcher Oberland noch so viel Schnee liegt, dass eine ganze Schar von Enkeln auf dem Hof zum Schlitteln kommen möchten, sei es traurig, sie nicht alle danach in die warme Stube zu bitten.

Mit der neuen Regelung werde der Alltag um einiges erleichtert, sagt Fischer. Bis die Fischers wieder in Vollbesetzung zusammenkommen dürfen, dauert es wohl noch eine Weile.

Auch die Cervinos freuen sich

Grösser könnte der Wechsel kaum sein: aus dem Bauernhof im Zürcher Oberland nach Dietikon, in die Agglomeration, in eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus. Anna und Antonio Cervino haben drei Kinder. Sie sind zwischen 9 und 16 Jahren. Und viele Verwandte in der Nähe. Anna Cervino sagt: «Normalerweise ist bei uns die Bude immer voll. Wir sind eine italienische Familie!»

Die Fünf-Personen-Regel sei daher wirklich einschneidend gewesen. «Wir konnten nicht einmal mehr unsere Verwandten sehen. Dazu gehören auch die Eltern, die sich deswegen einsam fühlen.» Auch sei es ziemlich anstrengend gewesen, die Kinder zu Hause zu beschäftigen. «Normalerweise bringen sie Kolleginnen und Kollegen heim.» Zum Glück gebe es den Wald und den Sportplatz in der Nähe.

«Aber diese Regel macht für uns den Alltag wirklich kompliziert.» Dem folgt ein Seufzer aus tiefster Seele, bevor Anna Cervino sagt: «Wir können den Montag wirklich kaum erwarten.» ( Hélène Arnet)

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