An der Fassade des Bundeshauses in Bern liegt über den Säulen ein Dreieck, 23 Meter breit, 4 Meter hoch. Um diese leere Fläche aus Sandstein künstlerisch zu verzieren, haben 25 Künstlerinnen und Künstler im Rahmen eines Wettbewerbs für zeitgenössische Kunst, den Auftrag erhalten, den Entwurf eines modernen Kunstwerks einzureichen. Jetzt streitet man sich, ob dieses Vorhaben sinnvolle Verschönerung oder reine Geldverschwendung sei.
Dekorationen an Mauern sind kein neues Phänomen, schon in der Antike zierten Friese die Tempel, in Pompeji findet man erotische Malereien an Wänden. Später verschönern Reliefs, Ornamente, Sonnenuhren oder Mosaike die Häuser. Sie dienen dem optischen Wohlgefallen oder dem mehr oder weniger stilvollen Beschreiben der Gebäudefunktion.
So etwa das gezeigte Flugzeug, das auf der Sihlpost in Zürich andeutete, dass Briefe auch mit Airmail versandt werden. Auch eine Postkutsche oder Schiff sind als Mosaike zu sehen. Selbst wenn sich die technischen Voraussetzungen verändert haben, erkennt man, dass hier Briefe und Pakete in die Welt verschickt werden. Problematisch wird Kunst am Bau nur, falls sich die Gebäudefunktion ändert. Wenn etwa eine Brieftaube das Haus beschreibt, drinnen aber ein Spielcasino lockt. (Guy A. Lang)

