Seit vergangenem Dezember habe ich mich mit dem Schicksal der internierten Soldaten im Tösstal befasst – nicht ununterbrochen, aber insgesamt doch über 100 Stunden. Zur Erinnerung: Im Zweiten Weltkrieg kamen in verschiedenen Schüben Soldaten fremder Heere in unsere Region. Zu Beginn Franzosen und Polen, später auch Engländer und Italiener.
Aus dieser Recherche, die ich zusammen mit dem Historiker Wolfgang Wahl aus Wila machte, ist bisher eine Reihe von Artikel entstanden. Dabei habe ich eine Reihe von Beobachtungen gemacht, die ich hier gerne teilen möchte.
1. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist eine lange Zeit verstrichen. Würde es möglich sein, sich wieder in diese Zeit einzufühlen? Ich wusste es nicht. Je mehr ich aber über das Leben während dieser schwierigen Jahre erfuhr, desto näher rückten mir die Menschen und ihre Schicksale.
2. Man kommt beim Recherchieren schnell vom Hundertsten ins Tausendste. Dabei möchte man doch systematisch vorgehen. So etwas ist unmöglich. Und je länger die Recherchen dauerten, desto lustvoller erschien es mir, mich von den Ideen und Erkenntnissen des Tages leiten zu lassen. Überall wuchsen neue Geschichten wie Spinnenfäden – scheinbar ziellos, aber am Schluss fügte sich ein Teil in den anderen.
3. Es gibt zur Geschichte der Internierten im Tösstal nur wenig schriftliche Quellen und es gibt schon gar keine systematische Darstellung. Aber es gibt da und dort Texte in Büchern und Zeitungen, die vielleicht einen Ort erwähnen. In Bauma gibt es das Chronikarchiv, in Wila und Turbenthal die Ortsmuseen und Privatbestandsarchive. Hierher kommen Briefe und Bilder, die man beim Aufräumen findet und nicht wegwerfen möchte, oder Akten verschwundener Vereine oder ehemaliger Gewerbebetriebe. Schade, dass sich Zell bisher allen Versuchen, auch so etwas einzurichten, widersetzt hat. Staatsarchiv und Sozialarchiv reichen nicht, es braucht auch lokale Einrichtungen.

