Politik

Corona-Krise beschleunigt Wandel auf dem Zürcher Arbeitsmarkt

Die Zürcher Wirtschaft erlitt als Folge der Pandemie den stärksten wirtschaftlichen Einbruch seit Jahrzehnten. Bis Ende Jahr dürfte der Verlust an Wertschöpfung gegenüber der Situation ohne Corona-Krise rund 15 Milliarden Franken betragen, wie Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh an einer Medienkonferenz sagte.

Corona-Krise beschleunigt Wandel auf dem Zürcher Arbeitsmarkt

Die Pandemie dürfte die Zürcher Volkswirtschaft bis Ende 2021 rund 15 Milliarden Franken Wertschöpfung kosten, verglichen mit der Situation ohne Corona-Krise. Alleine im letzten Jahr schrumpfte die Wirtschaftsleistung schätzungsweise um fast 4 Prozent, wie Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh am Montagnachmittag vor den Medien sagte. Die grössten Einbrüche verzeichnen das Gastgewerbe und der Verkehr mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von 40, respektive 22 Prozent.

«Corona hat unsere Wirtschaft deutlich stärker getroffen als andere Gegenden der Schweiz. Das liegt vor allem daran, dass Zürich mit dem Flughafen stark vom internationalen Tourismus abhängig ist», sagte Walker Späh –  und verlangte, dass das Reisen bei Nachweisung einer Impfung, eines negativen Testresultats oder einer Immunisierung bald quarantänefrei möglich wird.

Die Zürcher Wirtschaft habe die zweite Pandemiewelle jedoch besser gemeistert als die erste. Während die Geschäftslage nach dem ersten Lockdown in den meisten Zürcher Branchen markant einbrach und deutlich in den Negativbereich rutschte, lag sie im Februar knapp im positiven Bereich. Aktuell zeige sich eine gewisse Zweiteilung: Binnenorientierte Branchen wie der Detailhandel und das Gastgewerbe kämpfen mit einer schlechten Geschäftslage, eher exportorientierte Branchen befinden sich hingegen in relativ guter Verfassung und stützen die Wirtschaft insgesamt.

Arbeitsmarkt bisher in recht stabiler Verfassung

In Anbetracht der wirtschaftlichen Einbrüche zeigt sich der Arbeitsmarkt immer noch in recht stabiler Verfassung. Ende Februar waren im Kanton Zürich 30‘902 Personen bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) des Kantons Zürich als arbeitslos gemeldet, 146 Personen mehr als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote stagnierte bei 3,6 Prozent. Mehr Arbeitslose verzeichneten insbesondere das Gastgewerbe (+131) sowie der Detailhandel (+102). In einigen Branchen wie dem Baugewerbe (-52), der Informatik (-40) sowie im Gesundheits- und Sozialwesen (-36) sank die Arbeitslosigkeit.

Ein kleiner Lichtblick in der aktuellen Situation sei das Projekt «Esperanza», das von der Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin initiiert wurde. Bevor die Stellen für die elf Impfzentren im Kanton Zürich ausgeschrieben werden, bieten die RAV diese zuerst den registrierten Stellensuchenden an. Die Zusammenarbeit mit den Impfzentren im Rekrutierungsprozess hat begonnen und gestaltee sich positiv. Bereits konnten einige Stellensuchende vermittelt werden.

Pandemie treibt Wandel der Wirtschafts- und Beschäftigtenstruktur voran

Die Corona-Krise verstärke den Wandel auf dem Zürcher Arbeitsmarkt, der schon seit Jahren stattfindet. Eine aktuelle Analyse im «Zürcher Wirtschaftsmonitoring» zeige, dass es 2020 zu stärkeren Branchenverschiebungen kam als in den Jahren zuvor. Den grössten Beschäftigungsverlust verzeichnete die Gastronomie mit einem Abbau von schätzungsweise 3400 Vollzeitstellen. Im Bereich Gesundheit und Soziales (+2300), in der öffentlichen Verwaltung und Bildung (+2100), in der IT-Branche (+1900) sowie der Elektroindustrie (+1270) wurden hingegen neue Stellen geschaffen.

Haupttreiber des Wandels sei die Digitalisierung. Im langfristigen Vergleich weise der Strukturwandel im Kanton Zürich eine hohe Dynamik auf und die Branchenverschiebungen seien ausgeprägt. Das Stellenwachstum fiel in den digital affinen Branchen stark aus und die Erwerbstätigen passe sich rasch an. Insgesamt habe sich die hohe Dynamik des Strukturwandels aber für die gesamte Wirtschaft ausgezahlt: Seit 1980 betrug das Stellenwachstum im Kanton Zürich über alle Branchen 59 Prozent, auf Schweizer Ebene 40 Prozent. Auch in der aktuellen Krise spielen digitale Dienstleistungen eine wichtige Rolle.

«Die verstärkte Nutzung digitaler Kanäle hat in der Krise verschiedenen Branchen, insbesondere dem Detailhandel geholfen, besser durch die Krise zu kommen. Dies hilft der gesamten Wirtschaft und dürfte auch nachhaltige Effekte haben», sagt Andrea Engeler, Chefin des Amtes für Wirtschaft und Arbeit.

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