Eine besondere Liebe zur «Sprooch vom Zürioberland»
In der Frohmatt in Pfäffikon aufgewachsen, erlebte Peter Wettstein zusammen mit drei Geschwistern frohe Zeiten auf dem elterlichen Bauernhof und wurde dabei vertraut mit dem bäuerlich geprägten «Züritütsch», das er als Sprachwissenschaftler und Schriftsteller zeitlebens zu würdigen wusste. Die Ausbildung am Lehrerseminar, die er 1960 abschloss und die Weiterbildung in Logopädie, die Sonderklassenlehrerausbildung und das Psychologiestudium bereiteten ihm den Weg zum gefragten Schulpsychologen.
1974 wurde er dank seinem Einsatz als Präsident der Zürcher Sonderklassenlehrer als Dozent und Leiter der Logopädenausbildung ans Heilpädagogische Seminar berufen. Während rund zwanzig Jahren prägte er das wissenschaftliche logopädische Berufsfeld mit Testverfahren und Fachbüchern. Er führte mit feinem Gespür für die Mitmenschen und war ein ausgesprochenes Organisationstalent. Er entwickelte seine Fachbereiche weiter aus und leistete viel Pionierarbeit.
Peter Wettstein diente in Uster 12 Jahre als Gemeinderat und je 8 Jahre in der Vormundschafts- und der Fürsorgebehörde. Er wirkte auch als Mitglied der Kirchen- und Bezirkskirchenpflege. Als begnadeter Fagottist half er gerne in regionalen Orchestern aus und förderte die musikalische Jugend der MSUG. Dem Jugend-Blasorchester spendierte er eine kostbare Fahne und widmete dazu ein Gedicht, das er anlässlich der Fahnenweihe selber vortrug.
E Musik chunt, näi lueg au doo.
Zeersch ghört me nu de Tambuur schloo,
dänn s’volli Spyl im stränge Takt.
Wien äim doch au die Musik packt.
Und z’vorderscht häts en Faane.
Was gisch was häsch springt alls vor s’Huus,
wär nüd chaa, luegt zum Fäischter uus.
Den Alte faarts sogar id Bäi.
Und vor de Musik ganz eläi,
de Fäändrich schwänkt de Faane.
Potz sappermänt, die händ no Schnuuf.
Wär spilt is doo so rassig uf?
Wo sinds au här, wär isch au das?
Lueg nu deet ue du Gwundernas:
S’stoot alles uf em Faane.En Faane bruuchts, wänn d’Musik spilt,
en Faane hät, wär öpis gilt.
Wos fäschtlich tönt, ghöört är dezue,
und träit men öis zur letschte Rue,
sänkt sich am Grab de Faane.
Vor 16 Jahren gründeten Peter zusammen mit seiner Frau Anja das Orchester «Die Senioriker» mit sinfonischer Besetzung. Die Senioriker-Konzerte waren schon bald weitherum sehr beliebt und gut besucht. Peter war im Orchester nicht nur ein zuverlässiger Fagottspieler, er war auch der begabte Organisator im Hintergrund. Eine sehr beliebte Ergänzung war dann jeweils die durch Peter erfolgte Ansage und Erläuterung des nächsten Musikstücks. Hier brach seine Begabung als origineller Geschichten- und Verse-Dichter durch. Zu jedem Musikstück und seinem Komponisten erzählte er biographische Besonderheiten und Ereignisse, die mit einer humorvollen Pointe endeten.
Zum Lebensbild gehört seine besondere Liebe zur «Sprooch vom Zürioberland». In seinem dichterischen Werk – in einer besonderen Art der Mischung zwischen heiteren Episoden und tiefsinnigen Geschichten – kann ein farbiges Abbild des Zürcher Oberlandes erlebt werden.
Peter Wettstein war ein aufmerksamer, kritischer Beobachter seines Umfeldes, einer, der die Menschen mit einem gewissen Schalk zu schildern wusste. Viele Gedichte und Geschichten spielen in seinem nahen Umfeld und verraten eine tiefe Dankbarkeit für das gesegnete und erfüllte Leben. Sein dichterisches Lebenswerk wurde 1995 durch den Heinrich-Brunner-Preis geehrt. Durch seine beliebten Lesungen aus den fünf Büchern und mit einer CD konnte er die Verse und Geschichten gleich selbst in Original – Züritütsch einem dankbaren Publikum vermitteln.
Eine Hautkrankheit und Krebs bereiteten ihm in letzter Zeit gesundheitliche Schwierigkeiten. Umgeben von lieben Menschen durfte er am 22. Januar friedlich einschlafen. Wir vermissen ihn und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. (Hansrudolf Bürgi, Mitglied Senioriker)

