Ernährung und Konsum sind schon lange nichts Persönliches mehr. Am Regal kauft nicht nur der Hunger mit ein, sondern auch die Moral. Was darf man überhaupt noch essen? Und seit wann ist die eigene Ernährung eigentlich so politisch?
Der Grund für diesen Standpunkt ist die neue ökumenische Kampagne. Jetzt fragen Sie sich vielleicht, was das Christentum mit Ihrem Speiseplan zu tun hat – das habe ich mich auch gefragt. Das Sujet zeigt im Vordergrund ein Paar beim Grillieren, im Schatten dahinter sind Rauchschwaden zu sehen, aufsteigend von abgebrannten Baumstümpfen. Die Message ist klar: Wer grillt, der Bäume killt. Da reicht es mir manchmal wirklich.
« Jetzt sagt mir auch schon die Kirche, dass ich kein Fleisch essen darf. »
Nicht nur, dass mir auf Instagram der perfekte Detox-Tee für den flachen Bauch verkauft werden will, Weight Watchers mir sagt, dass ich mit Punktezählen mein Traumgewicht finde und auf dem Titelblatt sämtlicher Frauenzeitschriften bald wieder eine Frau mit Bikini-Body sagt, wie ich in zwei Wochen sechs Kilogramm verlieren kann – nein, jetzt sagt mir auch schon die Kirche, dass ich kein Fleisch essen darf, weil ich damit Bäume abfackle … Wirklich?
Manchmal, da frage ich mich: Geht das nicht auch differenzierter? Zum Beispiel, dass man nicht Fleisch generell verteufelt, sondern die «Generation Kurzbratstück». Oftmals habe ich das Gefühl, meine Generation (plus minus) lebt nach dem Prinzip, dass ein Rind vorne Filet und hinten Entrecôte ist. Und irgendwo noch ein bisschen Voressen, schwer zu lokalisieren.

