Die süssen Tüftler aus Pfäffikon
Wenn die beiden Töchter von Deniz und Pino Nocilla-Incesulu am Abend im Bett sind, fängt die Arbeit in der Küche erst richtig an. Das Ehepaar hat vor zwölf Jahren begonnen, Pralinen mit Botschaften zu bedrucken, seit 2013 betreiben die beiden einen Shop an der Zürcher Europaallee. Doch die neuen Ideen, die laufend dazukommen, entstehen in ihrer Küche in Pfäffikon.
«Auf einer Reise durch Australien haben wir viel darüber nachgedacht und philosophiert, was für ein neues Projekt wir anreissen wollen», sagt Deniz Nocilla. Schliesslich sei klar geworden: Es muss etwas mit Schokolade sein. Die erste Idee sein ein Laden gewesen, in dem sie Sorten aus aller Welt anbieten würden. «Doch dann wurde uns bewusst: Wir wollen eine eigene Marke kreieren», sagt Pino Nocilla.
Zutaten als Ferienmitbringsel
Mittlerweile hat das Pfäffiker Ehepaar beides: mit «Say Chocolate» eine eigene Marke und einen Laden, in dem die Produkte verkauft werden. Sie seien nach wie vor sehr spontan, was die Entwicklung neuer Produkte angeht. «Wir probieren einfach aus und bringen die Produkte dann gleich in den Laden um zu sehen, wie sie ankommen», sagt Deniz Nocilla.
Oft nehmen die beiden auch von privaten Reisen spezielle Zutaten mit nach Hause, die dann gleich verarbeitet werden. So etwa das Baumharz Mastic aus der Türkei. «Nun haben wir bereits alles aufgebraucht», sagt Pino Nocilla. Wo die nächste Reise hingeht, sei noch nicht klar.
Auch wenn ihr Laden ihre Leidenschaft ist, arbeiten die beiden hauptberuflich in ganz anderen Gebieten: er bei einer Bank, sie beim Kanton. «Aber wir sind mindestens einmal pro Woche im Shop, um nach dem Rechten zu schauen und mit anzupacken», sagt Deniz Nocilla. Ihr Mann ergänzt: «Uns war es von Anfang an wichtig, dass wir alles, was wir anbieten, auch selber herstellen können.»
So habe er etwa eine Ausbildung bei der «Chocolate Academy» absolviert. Auch ein Kurs zum Thema Blätterteig in Mailand wäre vor kurzem geplant gewesen – dieser musste aufgrund der Pandemie jedoch abgesagt werden. Trotzdem tasten sich die beiden im Bereich Blätterteig vor. «Wir haben soeben den ‹Cruffin› ins Angebot genommen, eine Mischung aus Croissant und Muffin.»
Start mit einigen Hürden
Zürich als Standort für den Laden sei für sie von Anfang an klar gewesen. «Natürlich wäre es schön, wenn es auch in ländlichen Gebieten mehr erfolgreiche, kleine Läden gäbe», sagt Pino Nocilla. «Aber die Entwicklung sieht leider anders aus.»
Ursprünglich haben sich die beiden für einen Laden im Shopville am Hauptbahnhof beworben. «Das hat zum Glück nicht geklappt», sagt Deniz Nocilla und lacht. In der Europaallee hätten sie dann den perfekten Spot gefunden, doch sei der Start auch nicht einfach gewesen. «Zu Beginn gab es noch kein grosses Food-Angebot und die ewige Bauerei lud nicht zum Flanieren ein», ergänzt sie.
«Zudem hat heute ja sowieso jeder das Smartphone vor der Nase, wenn er unterwegs ist», fügt Pino Nocilla hinzu. «Wir mussten uns also immer eine extra kreative Auslage für das Schaufenster ausdenken, damit die Kunden uns überhaupt wahrnehmen.» Mittlerweile laufe das Geschäft. Die Boutique bietet mittlerweile sogar als kleines Café einige Plätze zum Verweilen an – wenn nicht gerade wegen der Coronapandemie grosse Einschränkungen gelten würden.
Vegane Macarons im Trend
Zwar bilden die Schoggipralinen nach all den Jahren noch immer den Grundstein des Angebotes, doch es seien viele weitere Produkte dazugekommen wie etwa Patisserie und Kuchen. Momentan gerade hoch im Kurs sind Macarons, die auch in einer veganen Variante erhältlich sind. «Wir mussten lange herumprobieren, bis wir für die veganen Macarons die passenden Zutaten für die richtige Konsistenz und den richtigen Geschmack gefunden haben», sagt Pino Nocilla.
Und auch wenn die beiden Pfäffiker neue Produkte spontan entwickeln, ein konkretes Ziel hat Deniz Nocilla bereits. «Ich will es unbedingt schaffen, salzige Macarons herzustellen», sagt sie – die bisherigen Versuche seien jeweils gescheitert. Der nächste Traum von Pino Nocilla geht in eine etwas andere Richtung: « Eine Show-Confiserie vor Ort einrichten zu können, wäre genial.» So wäre auch das interessante Schaufenster gesichert.
