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Politik

«Die Informationsflut überfordert auch viele Ärzte»

Inzwischen impfen auch Hausärzte gegen Covid-19. Infektiologe Christoph Aebi berät sie und stellt bei vielen eine grosse Unsicherheit fest.

Sie unterstützen die Hausärzte in Impffragen. Wo drückt der Schuh derzeit am meisten?
Seit Dezember und vor allem in den letzten Wochen stellen wir eine massive Flut von Anfragen fest. Am häufigsten beschäftigt die Ärzte, wie sie die Empfehlungen des Bundes konkret in die Praxis umsetzen sollen. Welchen Rat sollen sie Menschen geben, die diese oder jene Vorerkrankung haben? Welche Ängste oder Bedenken vor einer Impfung sind berechtigt, welche nicht? So ist etwa auch unter Ärzten die Besorgnis über mögliche Nebenwirkungen gross.

Das sollten doch die Ärzte aufgrund ihrer Ausbildung wissen.
Ein Allgemeinpraktiker kann sich neben all den anderen Krankheiten, die er diagnostizieren und behandeln muss, oft nicht auch noch vertieft mit den verschiedenen Impfstoffen zu Covid-19, deren Wirkungsweise und möglichen Nebenwirkungen auseinandersetzen, zumal sich diese Informationen dauernd ändern und in kurzer Abfolge überarbeitet werden. Bei den etablierten Impfstoffen, etwa gegen Masern, haben die Ärzte einen Wissensvorsprung gegenüber den Patienten. Heute erleben Hausärzte aber oft, dass Patienten über Corona sehr gut informiert sind und sehr spezifische Fragen stellen.

Eine Woche lang im Impfdienst

Christoph Aebi, Kinderarzt und Infektiologe am Universitätsspital Bern, betreute letzte Woche Ärzte und Apotheker bei Impffragen. Er ist einer von neun Experten der Informationsplattform Infovac, die jeweils eine Woche lang im Impfdienst sind. Infovac wurde im April 2000 auf Initiative einer Gruppe von Experten rund um die Kinderimmunologin Claire-Anne Siegrist von der Medizinischen Fakultät der Universität Genf gegründet. Sie konnte das Bundesamt für Gesundheit dafür gewinnen, die Organisation ideellund finanziell zu unterstützen. Die Initiative erwies sich als grosser Erfolg, verfügt inzwischen über 6000 Mitglieder und wurde auch von anderen Ländern wie etwa Frankreich kopiert.

Sind die Hausärzte überfordert?
Die Informationsflut überfordert auch viele Ärzte, deshalb können Sie uns ja kontaktieren und erhalten innerhalb von 24 Stunden eine Antwort. Unsere Experten, die alle Immunologen oder Infektiologen sind, verbringen viel Zeit damit, die neusten Studien zu prüfen und zu analysieren, um daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen.

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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