Sie lächeln, wirken entspannt und harren darauf, endlich bespielt zu werden. Die 阮 – Ruans – sind chinesische Langhalslauten, die gezupft werden und zum Standartrepertoire der chinesischen Musik gehören. Ihr rundes «Gesicht» erinnert an unseren Erdtrabanten, sie werden auch «Mondlauten» genannt.
Noch fehlen die Musikerinnen und Musiker, die sie zärtlich in den Arm nehmen und ihnen ihr für unsere Ohren fremdartige Töne entlocken werden. Die Atmosphäre vor diesem Moment ist spürbar angespannt – freudig, erwartungsvoll. Etwas Lampenfieber ist auch dabei.
Solche Phasen sind äusserst wertvoll, das Warten erhöht die Spannung. Das gilt nicht nur für unsere Instrumente, das gilt genauso für uns. Kommende Ereignisse erfüllen uns mit Vorfreude. Diese verkürzt scheinbar das Warten und lässt uns die Zeit vergessen. Da wir immer auf etwas warten, sollten wir uns angewöhnen unsere Hoffnungen an ein konkretes Ziel zu binden.
Etwa wenn wir uns in einer mehr als misslichen Situation befinden –wie zurzeit mit den unsäglichen Viren – malen wir uns aus, wie wunderbar es sein wird, alles wieder zu unternehmen zu können, mit Freundinnen und Freunden zu tafeln, plaudern, fröhlich zu sein. Strahlen wir bis dahin, wie die 阮 . (Guy A. Lang)

