Wir haben das Gespräch gerade erst begonnen, als Thomas Niederberger von einem Video-Call aus dem Dorf Sarayaku in Ecuador unterbrochen wird. «Sorry, da muss ich kurz rangehen», entschuldigt er sich und begrüsst eine Vertreterin des indigenen Volkes der Kichwa, das sich erfolgreich gegen eine Ölfirma gewehrt hat. Seit einem Jahr arbeitet Thomas für das ICCA-Konsortium, das sich dafür einsetzt, die Territorien von indigenen Völkern zu definieren und zu schützen.
Während er telefoniert, erzählt mir seine peruanische Frau Kathia, wie sich die beiden kennengelernt haben. «Thomas schrieb seine Doktorarbeit über das Volk der Wampis, und ich arbeitete als Kommunikationsverantwortliche für deren Regierung.» Doch anfangs habe sie sich kaum für den Schweizer interessiert. «Ich hatte etwas gegen diese Art von Akademiker, die kurz kommen und dann bereits wieder gehen», lacht sie. Doch dieser Ethnologe war anders.
Gleich und gleich gesellt sich gern
Seit Thomas 2016 erstmals für seine Feldforschung ins Amazonasgebiet gekommen war, begleitete er den indigenen Aktivisten Geronimo Petsain bei seinen Umwelt-Monitoring-Fahrten und konnte schon damals beobachten, was illegale Goldschürfer und Ölfirmen anrichteten. «Er blieb länger, engagierte sich und hatte die gleichen politischen Ansichten wie ich», erzählt Kathia. Und von da an seien sie in Kontakt geblieben.
Richtig gefunkt habe es dann, als Thomas 2019 für drei Monate nach Peru reiste, um sich für seine Doktorarbeit mit den Wampis auszutauschen. Auch Kathia reiste viel und machte besuchte Thomas auf einem Abstecher in die Schweiz. Als sich für Thomas schliesslich eine Arbeitsmöglichkeit für das Konsortium ergab, beschlossen die beiden, zusammen zu bleiben.

