Wenn man am Stammtisch einen falschen Satz von sich gibt, verursacht dieser keine Probleme. Schon nach zehn Minuten kann er problemlos widerlegt werden. Zugehört hat sowieso niemand: Alle sind am Reden. Geschrieben ist aber geschrieben. Diese Gedanken gehen mir durch den Kopf, während ich an einem entsprechenden Artikel arbeite. Was beutet es, einen Standpunkt zu schreiben? Dies soll das Thema meines Standpunktes sein.
Als Standpunktschreiber stehen mir verschiedene Optionen offen. Den Berufskritikern und Ewigbeleidigten weiche ich am besten aus, indem ich mich nach der Volksmeinung richte. Da werde ich bereits mit dem ersten Problem konfrontiert. Es gibt bekanntlich zwei Volksmeinungen. Eine wahre und eine von den Massenmedien veröffentlichte. Ich könnte etwas Positives über Joe Biden schreiben.
Der neue amerikanische Präsident rückt zurzeit das Image sämtlicher Grossväter in ein positives Licht. Bei näherer Betrachtung seiner Situation fährt es mir eiskalt über den Rücken. In drei Jahren bin ich ungefähr in seinem jetzigen Alter. Dann ein Präsidium übernehmen zu müssen, zum Beispiel das Erbe der Primarschulpflege Turbenthal?! Da würde ich doch lieber Präsident der Vereinigten Staaten werden.
« Auch bei der Post läuft es super. Besonders unter dem Tisch durch. »
Streng genommen sollte sich ein guter Standpunktschreiber nach dem Journalisten Kurt W. Zimmermann richten: «Guter Journalismus ist Journalismus, dem die Leser eher egal sind. Guter Journalismus ist identisch mit geistiger Unabhängigkeit.» Gut so! Dies ist aber mit gewissen Risiken behaftet.

