Die Dame scheint entrückt, ihr versonnener Blick nach innen gerichtet. Ihre Ruhe, die sie ausstrahlt, ist geradezu greifbar. Ihr Anblick vermittelt Geduld und Gelassenheit. Umhüllt ist sie mit einem grünen Gewand, das in unzähligen Jahren von der Natur geschneidert wurde – die Moosfrau ist ein Sinnbild für die Stetigkeit und Unbeirrbarkeit der Zeit.
Da mag es die Pest geben, Corona, Kriege, Jubiläen, Fortschritte, Freuden – beharrlich lässt unser Planet alles über sich ergehen und lässt von Menschen geschaffenes mit Moos überwuchern. Auch die sitzende Dame lässt alles stoisch über sich ergehen. Ob Regen oder Sonne, sie sitzt und sitzt.
Nun ist es also da, das langersehnte 2021, in dem alles besser, die unaussprechliche Pandemie Geschichte werden soll. Noch scheint es zu dauern, noch ist eine wirkliche Normalisierung nicht in Sicht. Bis es soweit ist, könnte uns die Moosfrau ein Beispiel sein, wie Geduld, gelassenes Abwarten und unerschütterliche Contenance – Haltung – aussehen.
Sicher brauchen wir uns kein Mooskleid wachsen zu lassen, sicher müssen wir nicht in unbeweglicher Stellung ausharren. Doch unaufgeregtes Ausharren bringt uns mehr Kraft als hysterischer Aktionismus. (Guy A. Lang)

