Nachdem ich die Tür hinter mir zugezogen habe, rücke ich meine Kappe zurecht und betrachte kurz unser Haus mit den leuchtenden Laternen von aussen. Ein Anblick, den ich seit beinah zwei Wochen nicht mehr genossen habe. Die ganze Familie war in Corona-Isolation. Balduin, unser Hund, springt vor Freude an mir hoch, als ich seine Leine packe. Nachtwanderung ist angesagt. Lange vermisst. Auch von mir.
Zügig laufe ich auf dem Feldweg Richtung Wald. Tief atme ich die kalte Nachtluft ein. Wunderbar so schmerzfrei ausschreiten zu können. Keine Viertelstunde später schmunzle ich: Meine Schuhbändel haben sich gelöst. Nun bin ich schon so alt und kann noch immer keine festen Knoten machen.
Dennoch, schön, dass der Alltag mit seinen Banalitäten wieder eingezogen ist. Ich werfe einen Blick zurück ins Dorf. Erleuchtete Fenster durchbrechen die Dunkelheit. Hoffentlich sind die Menschen dahinter alle gesund, purzelt es durch meinen Kopf.
Die leichte Steigung meistere ich ohne Atemringen und Herzrasen. Nebelschwaden züngeln aus dem Tal. Über mir leuchten die Sterne. Wie so oft ist über unserer Ebene ein grosser Kreis mit freier Sicht in einen klaren Himmel. Diesmal, im Gegensatz zu den Sommermonaten, wo ich sehnsüchtig die vorbeiziehenden Regenwolken betrachte, geniesse ich den freien Blick.
Rundum ziehen dunkle Nebelwände in die Höhe. Der Mond hat sich durch das Wolken-Nebelgemisch über Elgg gekämpft. Er taucht die Umgebung in helles Licht. Vor mir, inmitten der lockeren Nebelwatte, entsteht ein weisser Mondnebelbogen. Dieser wandert mit mir bis zum Waldrand. Ein Fuchs streift durch die linker Hand liegende Obstanlage. Die Bäume glitzern leicht.

