Peter Gisler sagte sich im Kindesalter schon, dass er nie so werden möchte wie sein Vater Alfred Gisler. «Ich erlebte ihn als oft wütenden, nicht einfühlsamen Mann. Ein Vater, der zwar physisch da war – emotional aber selten.»
Die Beziehung zwischen den beiden ist über die Jahre immer mehr auseinandergeklafft; sein Vater sei älter geworden, er selber unnachsichtiger. Dass sie lange im gleichen Haus in Pfäffikon wohnten, änderte daran nichts, bis Peter Gisler Erschreckendes feststellte: «Durch meine Arbeit als Personalberater kannte ich die Lebensläufe tausender Personen – den meines Vaters jedoch nicht. Ich wusste wenig über ihn.»
Das sollte sich ändern: 1986 ging Peter Gisler auf seinen Vater Alfred zu und wollte mehr über dessen Leben wissen. In all den Gesprächen habe sich ihm eine schmerzhafte, traurige und teils von Gewalt geprägte Vergangenheit aufgetan: «Mein Vater war ein Verdingkind (siehe Box), litt an Kinderlähmung und wurde als Jugendlicher in der damaligen Irrenanstalt Burghölzli als Psychopath abgestempelt.»
Familienchronik als eigentliche Idee
Knapp 35 Jahre nach den ersten Gesprächen mit seinem Vater hat Peter Gisler, mittlerweile 72 Jahre alt, dessen Vergangenheit niedergeschrieben und als Buch veröffentlicht. «Was bleibt – was geht. Von einem, der sein Leben ständig neu erfindet» heisst das Werk.

