Regenbogen, Prinzessinnen, Schmetterlinge und dazwischen ein Trio aus Männern, offensichtlich die Herren Doktoren. Bunt präsentiert sich die Wand im Wartezimmer einer Praxis, dekoriert mit Zeichnungen von Kindern, festgehalten von blauen Magneten. Blaue Punkte halten voll gezeichnete Papiere. Auf den ersten Blick sieht es aus wie «Bläueln», das Pendant zu «Röteln», der Krankheit mit den roten Flecken, die in diesem Zimmer sicher schon mehrfach gesichtet wurde, ehe sie vom Doktor verbannt wurde.
Oft haben Wartezimmer etwas Tristes, Trostloses, erfüllt von hier erlebten Schmerzen, von Bangen und Hoffen. Manchmal stehen Terrarien, Aquarien oder Ficusbäume herum, um die Atmosphäre etwas aufzulockern. Das gelingt leider selten. Hier allerdings vertreiben unbeschwerte Skizzen, farbenfrohe und fantasievolle Bilder die depressiven Gedanken. Ein fröhlicher Warteraum voller kindlicher Träume und Vorstellungen.
Kinder zeichnen spontan, was ihnen gerade in den Sinn kommt. Da sind keine komplizierten Überlegungen dahinter, wie es psychologisch oder so ankommen und gedeutet werden könnte. Kids sehen sich als blonde, langhaarige Prinzessin, lassen Herzchen durch die Lüfte flattern, dunkle Käfer krabbeln oder die Sonne Blumenwiesen bescheinen.
Das haben sie uns Erwachsenen voraus, Ungezwungenheit. Wir überlegen meist genau, ehe wir etwas kommunizieren, wir sind viel vorsichtiger. Wie wäre es, wenn auch wir direkter zeigen würden, was wir wirklich meinen? Lasst uns wieder kindlicher werden. (Guy A. Lang)

