«Online-Adventskalender sind in der Kirche angekommen»
Viele fühlen sich durch die Corona-Krise einsam. Nimmt die Kirche dieses Jahr eine besondere Rolle ein in der Adventszeit?
Wir Seelsorger und Mitarbeiter der Reformierten Kirche Gossau sind das ganze Jahr für die Leute da. Wir versuchen, flexibel auf die schwierige Situation einzugehen und Menschen Licht zu bringen. Dies geschieht auch in Form verschiedener Angebote.
Welche Angebote sprechen Sie an?
Unsere Sozialdiakonin Esther Nydegger organisiert zum Beispiel Einkaufshilfen für besonders gefährdete Personen und ist an der Planung eines Openair-Erlebniswegs. Kinder haben zudem – wie jedes Jahr – dreimal die Möglichkeit, Adventsgeschichten draussen am Feuer zu hören.
Für Kinder verschönert auch der Adventskalender die Adventszeit.
Genau. Als erstes öffnete ich als Kind nach dem Aufstehen das Türchen vom Adventskalender. Ganz besonders war für mich auch der «Samichlaustag». Am Abend haben wir leere Stiefel vor die Tür gestellt und am nächsten Morgen waren sie voller Süssigkeiten. Ausserdem haben wir unsere Eltern immer viel zu früh geweckt und unter uns Geschwistern einen intensiven Süssigkeiten-Handel betrieben. Wir tauschten etwa zwei Schokolädchen gegen einen Lebkuchen.
Wie sah der ursprüngliche Adventskalender aus?
Der Adventskranz wurde 1839 vom Theologen, Erzieher und Mitgründer der Inneren Mission, Johann Hinrich Wichern eingeführt. Dieser nahm sich armen Kindern an. Da sie während der Adventszeit fragten, wann endlich Weihnachten sei, baute er aus einem alten Wagenrad einen Holzkranz mit 24 Kerzen. Jeden Tag wurde eine weitere Kerze angezündet.
« Die Christnachtfeier wird vorgängig aufgezeichnet, damit sie individuell von zu Hause aus angeschaut werden kann. »
Im 19. Jahrhundert hat man für die Kinder Kerzen angezündet, heute gibt es Online-Adventskalender.
Dieser Trend ist auch in der Kirche angekommen. Unser Sozialdiakon Markus Hardmeier produziert einen Online-Adventskalender, der ähnlich wie ein Foto-OL funktioniert. Die Leute können sich so draussen in der Natur und an verschiedenen Orten im Dorf auf Weihnachten einstimmen.
Wie sehen die Gottesdienste dieses Jahr in der Weihnachtszeit aus?
Wir planen für jeden Sonntag etwas Spezielles. Zum Beispiel eine Singweihnacht mit dem Friedenslicht. Oder im modernen Sonntagspraise geht es um ganz neue Perspektiven auf die Geburt und das Leben von Jesus, dem Gründer des Christentums. Am 20. und 27. Dezember planen wir zwei musikalische Gottesdienste. Den 24. Dezember hat meine Frau dreispurig aufgegleist.
Was darf man sich darunter vorstellen?
Die Christnachtfeier wird vorgängig aufgezeichnet, damit sie individuell von zu Hause aus angeschaut werden kann. Im Kirchgemeindhaus bieten wir zudem ein gemeinsames einfaches Abendessen an. Zusammen wird die Christnachtfeier angeschaut. An Heiligabend ist die Kirche ausserdem für alle geöffnet, die die Stimmung und den Christbaum mit festlicher Musik geniessen möchten.
Interview: Melina Aeschbach
