«Ist die Not gross, sind Freiwillige zur Stelle»
Als die Corona-Pandemie im Frühling die Schweiz erstmals im Griff hatte, schossen die Angebote von freiwilligen Helfern überall aus dem Boden. «Am Schluss gab es sogar mehr Leute, die helfen wollten, als es gebraucht hat», sagt Dagmar Anderes. Sie leitet seit einem Jahr die Benevol-Fachstelle Zürioberland mit Sitz in Pfäffikon. Das Zentrum für freiwilliges Engagement hat sich die Beratung und fachliche Unterstützung von Organisationen, Vereinen und Gemeinden in Sachen Freiwilligenarbeit auf die Fahne geschrieben.
«Doch was schnell entsteht, flacht auch schnell wieder ab», sagt Anderes. Gerade was die Aufrufe in den sozialen Netzwerken angeht, sei von diesem Anstieg mittlerweile nicht mehr viel übrig. Es seien denn auch die bewährten Angebote, die weiterhin die Koordination von Freiwilligenarbeit übernehmen.
Inputs von Vereinen
Für die Fachstelle war es aufgrund der Corona-Pandemie kein einfaches Jahr, sich in diesem Feld zu etablieren. «Wir sind immer noch an der Aufbauarbeit und im Findungsprozess», sagt Anderes. Viele Schritte seien jedoch getan. «Wir konnten bereits einige Kurse anbieten, bei denen wir auch viel gutes Feedback erhielten.»
Dabei seien die Inputs von den Teilnehmern, zu welchen weiteren Themen noch Informationen gewünscht sind, äusserst wertvoll. «So planen wir nun etwa Kurse zur konkreten Suche nach Vorstandsmitgliedern oder für Revisoren.» Auch für die Organisationen und Vereine seien diese Anlässe eine Chance, sich zu vernetzen.
Neues Zentrum für Freiwilligenarbeit nimmt Betrieb auf
22.11.2019

Benevol-Fachstelle in Pfäffikon
Mit der Eröffnung der Benevol-Fachstelle Zürioberland erhält die Region ein Zentrum für die Verne Beitrag in Merkliste speichern Denn es sei nicht primär die Aufgabe der Fachstelle, einzelne Freiwillige zu vermitteln. «Zwar kann man sich auch als Einzelperson bei uns melden, wenn man sich engagieren will», sagt Anderes. Grundsätzlich wolle man aber die Organisationen unterstützen, damit diese ihre Freiwilligen selbständig finden können. «Wir wollen zum Beispiel die Vereine stärken und ihnen zeigen, wie sie sich präsentieren sollen und was sie anbieten können, um neue Kräfte anzuziehen.»
In der Gesellschaft zeige sich schon seit längerem ein Wandel, der mehr Flexibilität erfordert. «Personen für ein langfristiges Engagement zu finden, ist schwierig», sagt Anderes. Hier seien Ideen gefordert, wie man von bisher starren Strukturen auch wegkommen könnte.
Hürde innerhalb der Verwaltung
Neben der Zusammenarbeit mit Organisationen und Vereinen war es für die Verantwortlichen der Fachstelle im letzten Jahr auch ein grosses Anliegen, den Kontakt zu den politischen Gemeinden zu suchen. Zwar sei man überall auf offene Ohren gestossen. «Aber es braucht auch von den Gemeinden einen Grundeffort für die Entwicklung von Freiwilligenarbeit», sagt Hans Rudolf Kocher, Präsident der Gemeinnützigen Gesellschaft Bezirk Pfäffikon und damit auch Präsident der Benevol-Fachstelle Zürioberland.
Dabei sei die Grösse der Gemeinde nicht primär massgebend. Meist sei es die grösste Hürde, in den Gemeindeverwaltungen auch die Kapazität für die nötige Koordination zu finden. «Und das hängt davon ab, wie die Verwaltung derzeit aufgestellt ist und wer für das Dossier verantwortlich ist», sagt er. «Und gerade in diesem Jahr stand vielerorts Wichtigeres an.»
Die Gemeinnützige Gesellschaft Bezirk Pfäffikon hat es sich in ihrem Leitbild zur Aufgabe gemacht, die Freiwilligenarbeit zu fördern. Neben diversen Stiftungen, Unternehmen und Organisationen sind es denn momentan auch nur Gemeinden aus dem Bezirk Pfäffikon, welche zur Trägerschaft gehören. Dies soll sich jedoch bald ändern.
«Mit dem Begriff ‹Zürioberland› im Namen war es von Anfang an unser Ziel, auch über die Bezirksgrenzen hinaus aktiv zu sein», sagt Dagmar Anderes. Dies sei in diesem Jahr auch schon oft geschehen. Einerseits stammen die Teilnehmer an den Kursen aus umliegenden Bezirken. Andererseits habe man vor allem mit Institutionen aus Uster viel zu tun. «Weil dort bereits viele Organisationen ihren Sitz haben, die ebenfalls im ganzen Oberland aktiv sind.»
«Nun wollen wir unser Angebot noch bekannter machen.»
Dagmar Anderes
Es ist vorgesehen, die Gespräche mit Gemeinden aus den Bezirken Hinwil und Uster zu suchen, um auch sie für die Trägerschaft gewinnen zu können. «Das sind wir den Gemeinden im Bezirk Pfäffikon, die uns bereits finanziell unterstützten, schuldig.»
Auch wenn der Aufbau der Benevol-Fachstelle Zürioberland durch die Corona-Pandemie ausgebremst wurde, schauen Dagmar Anderes und Hans Rudolf Koch optimistisch in die Zukunft. «Nun wollen wir unser Angebot noch bekannter machen», sagt Anderes. «Wir wollen und müssen den Leuten bewusst machen, dass freiwilliges Engagement die Grundlage der Gesellschaft ist.» Während des Lockdowns habe sich schliesslich gezeigt: «Ist die Not gross, sind Freiwillige zur Stelle.»
Aktion «Generation F»
Rund 40 Prozent der Schweizer Bevölkerung engagiert sich freiwillig und unentgeltlich in einem Verein oder einer Organisation, egal in welchem Alter. Zur «Generation F» zählen also alle. Unter diesem Titel finden vom 5. Dezember – der Tag der Freiwilligen – bis Ende Januar im ganzen Oberland diverse Anlässe statt, um Freiwilligenarbeit noch bekannter zu machen. Weitere Informationen zu den Angeboten und Veranstaltungen sind online unter www.generation-f.ch zu finden.
