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Kirchenpflege hofft auf Rettung in letzter Sekunde

Stellt sich an der Kirchgemeindeversammlung am Mittwoch nicht noch spontan ein Kandidat zur Verfügung, hat dies grosse Konsequenzen für die Kirchenpflege. Derweil hoffen die Beteiligten, den schwelenden Konflikt mit der Pfarrei bald lösen zu können.

Die Katholische Pfarrei St. Benignus umfasst die Gemeinden Pfäffikon, Fehraltorf, Russikon und Hittnau.

Archivfoto: Annabarbara Gysel

Kirchenpflege hofft auf Rettung in letzter Sekunde

Aktuell ist die Katholische Kirchenpflege St. Benignus mit drei Mitgliedern noch beschlussfähig. Ab Januar dürfte sich dies jedoch ändern. Nachdem bereits die beiden Kirchenpflegerinnen Claudia Staub und Gabrielle Fabriard per Ende Oktober aus dem Gremium ausgetreten sind, wird auch der Präsident Josef Annen per Ende Jahr sein Amt ablegen. Am Donnerstag sollten an der Kirchgemeindeversammlung ihre Nachfolger gewählt werden.

Bisher hat sich aber noch niemand gemeldet, der sich zur Wahl stellt. Obwohl die verbleibenden zwei Kirchenpfleger Urs Lüchinger und Marcel Stoop direkt auf einzelne Personen innerhalb der Pfarrei zugegangen sind. Und diese schliesst neben Pfäffikon auch die Gemeinden Fehraltorf, Hittnau und Russikon ein.

Konflikt erschwert Nachfolgesuche

Als Grund für den Rücktritt der drei Kirchenpfleger inklusive Präsident Annen wurde in einer Medienmitteilung im September der «schwelende Konflikt im dualen System der Katholischen Kirche», also zwischen Kirchenpflege und Pfarrei, genannt. Für Josef Annen war es konkret die Zusammenarbeit mit dem Pfarreileiter Ludwig Widmann, die für ihn «von Anfang an nicht gestimmt hat». Er selber habe sich denn auch nicht aktiv auf die Suche nach einem Nachfolger gemacht. «Sonst wäre diese Person durch meine Meinung je nach dem vorbelastet gewesen, was nicht mein Ziel ist», sagt er.

Ein Konflikt, der die Suche nach Kandidaten erschwert. Doch Kirchenpfleger Urs Lüchinger bleibt gelassen: «Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es nicht viel bringt, sich zu viele Gedanken über Situationen zu machen, bei denen man noch gar nicht weiss, wie sie aussehen.»

Exodus aus der Kirchenpflege

24.09.2020

St. Benignus Pfäffikon

Die Liste der Kirchgemeinden mit Vakanzen in der Region wird noch länger: Drei Kirchenpflegemitgl Beitrag in Merkliste speichern Mit der neuen Konstellation habe die Pfarrei zudem die Chance, den internen Konflikt «endlich hinter sich zu bringen». Im Sekretariat – das durch die Meinungsverschiedenheiten ebenfalls gelitten hatte – habe man bereits eine Lösung gefunden. «Und uns unterstützt das Dienstleistungszentrum vor allem in den Bereichen Finanzen und Personal sehr stark», sagt Lüchinger. «Damit können wir die Voraussetzungen schaffen, dass die Ressorts zukünftig auch nebenberuflich gut ausgeübt werden können.»

Gremium nicht mehr beschlussfähig

All dies seien Voraussetzungen, um neue Kandidaten zu gewinnen. «Es ist auch gut möglich, dass sich mit der neuen Zusammensetzung sowie einer Beruhigung des Konfliktes in der Kirchenpflege ein Mitglied bereit erklärt, wieder in das Gremium zurückzukehren.» Und nicht zuletzt bestehe nach wie vor die Möglichkeit, dass an der Kirchgemeindeversammlung sich ein Kandidat spontan zur Wahl stellt.

Sollte dies nicht der Fall sein, fällt die Anzahl der Kirchenpfleger auf unter drei und die Kirchenpflege wäre unter diesen Umständen tatsächlich nicht mehr beschlussfähig. Dann wird die Aufsichtsbehörde der Katholischen Kirche den Synodalrat beauftragen, einen «Sachverwalter» zu stellen.

« Ich fühle mich nicht in der Lage, die Geschäfte des Präsidiums fachgemäss zu führen.»

Urs Lüchinger, Vizepräsident Kirchenpflege

Und obwohl Urs Lüchinger aktuell das Amt des Vizepräsidenten innehat, wird er das Präsidium weder ganz, noch ad interim übernehmen. «Dazu fehlt mir die Zeit, da ich beruflich nicht reduzieren kann und zudem familiär eingespannt bin. Ich fühle mich auch nicht in der Lage, die Geschäfte des Präsidiums fachgemäss zu führen.» Sollte an der Versammlung tatsächlich ein neuer Kandidat gewählt werden, der das Präsidium aber nicht übernimmt, wäre es auch möglich, den Synodalrat für die Stellung eines Präsidenten ad interim anzufragen.

Wahlempfehlung als Widerspruch?

An der Kirchgemeindeversammlung soll auch Ludwig Widmann in seinem Amt als Pfarreibeauftragter für eine weitere Legislatur bestätigt werden. In einer Wahlempfehlung, die auf der Traktandenliste verlinkt ist, spricht sich die – damals noch fünfköpfige – Kirchenpflege für die Wahl von Widmann aus. Ein Widerspruch?

Josef Annen klärt auf: «Ein Pfarreibeauftragter kann nur gewählt werden, wenn er vom Bischof vorgeschlagen wird.» Bei einer Neuwahl bringt sich die Kirchenpflege aktiv ein, bei einer Wiederwahl spielt ein gewisser Automatismus. Die Kirchgemeindeversammlung kann die Wahl annehmen oder ablehnen. «Dazu kommt, dass die drei Rücktritte aus der Kirchenpflege nicht alle aus dem gleichen Grund erfolgt sind», fügt Annen hinzu. Darum habe man sich für die Wahlempfehlung entschieden. Denn: «Alle Beteiligten haben zum bisherigen Konflikt beigetragen.»

Ludwig Widmann war für eine Stellungnahme erneut nicht erreichbar. 

Die Kirchgemeindeversammlung findet am Mittwoch, 25. November, um 19.30 Uhr in der Katholischen Kirche Pfäffikon statt. Neben den Wahlen steht auch die Jahresrechnung 2019, das Budget und der Steuerfuss 2021 sowie der Baukredit für die Kapellenrenovation in der Höhe von 180‘000 Franken auf der Traktandenliste.

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