Der Titel dieses Standpunkts stammt aus einem Volkslied, welches den Herbst besingt. Der Schweizer Dichter Johann Gaudenz von Salis-Seewis schrieb 1782 die sieben Strophen. In seinem Gedicht beschreibt er dabei alles, was diese Jahreszeit ausmacht: Farben, Gerüche, Wärme, Freude. Auf meiner kürzlichen Wanderung über Lettenberg, Girenbad, Schauenberg, Schnurrberg zurück nach Turbenthal begleiteten mich diese Eindrücke. Bei der Rast unter einem Baum fielen mir die letzten drei Blätter an einem Ast auf. Sie haben mich zu diesem Standpunkt inspiriert.
Das erste Blatt widme ich der Persönlichkeit. Kürzlich musste ich für einen potenziellen Auftrag einen Lebenslauf einreichen. Gott sei Dank habe ich dieses Papier immer wieder à jour gehalten. In einem Arbeitsleben von über 40 Jahren kommt so einiges zusammen. Unter den Ausbildungen habe ich den CAS Digital Real Estate von 2018 nachgetragen. Hat mir diese Weiterbildung etwas gebracht? Persönlich ja, habe ich doch interessante Menschen kennengelernt. Beruflich nein, resultierte daraus kein einziger Auftrag aufgrund meiner zusätzlichen Kompetenzen.
«Ich bin ein Verfechter des lebenslangen Lernens.»
Katja Rost, Soziologieprofessorin an der Universität Zürich, hat in einer Kolumne in der «NZZ am Sonntag» geschrieben, dass viele der heute angebotenen Kurse nur verbalisiertes Wissen, aber nicht unbewusstes Erfahrungskönnen vermittelten. Im Beruf sei aber Letzteres entscheidend. Firmen würden blind auf Zertifikate und Diplome vertrauen.
Anbieter von Weiterbildungen würden Ängste wie Stagnation im Beruf, Druck durch bildungswütige Kollegen, Unzufriedenheit im Beruf bedienen. Die Absolventen wiederum träumten, dass CAS, MAS oder MBA automatisch Karriere, Erfolg und Zufriedenheit brächten. Ich bin ein Verfechter des lebenslangen Lernens. Aber investiere ich genauso konsequent in die Weiterentwicklung meiner Persönlichkeit wie in meine fachlichen Fähigkeiten?

