Startschuss für das «neue Pfäffikon»
Ein etwas komischer Start: Bei der Kickoff-Veranstaltung für das neue Raumentwicklungskonzept der Gemeinde Pfäffikon konnten die Interessierten nicht im selben Raum sitzen, wie der Gemeinderat und die Arbeitsgruppe. Gleichzeitig war es für den Gemeinderat eine Premiere, einen Anlass per Livestream für die Bevölkerung zu übertragen.
«Das Positive daran ist: Wir lernen, mit neuen Techniken umzugehen», sagte Gemeindepräsident Marco Hirzel (SVP) bei seiner Begrüssung. Auch wenn sich durch die Corona-Pandemie neue Hürden bilden, der Gemeinderat wolle am Fahrplan für die Erarbeitung des neuen Konzeptes festhalten. «Wir wollen das Projekt bis Ende Legislatur im Frühling 2022 abschliessen.»
Gefahr Schlafstadt
Ein wichtiger Punkt für die Entwicklung der Gemeinde sei das Bevölkerungswachstum, das neben dem Bau von Wohnungen und Häusern auch der Ausbau der Schulinfrastruktur mit sich bringt. «Das können wir nicht gross beeinflussen», sagte Hirzel weiter. Aber man wolle keine Schlafstadt werden. «Wir können es uns zum Ziel setzen, mehr Arbeitsplätze zu generieren, damit das Verhältnis zwischen Wohnen und Arbeiten in einem sinnvollen Gleichgewicht bleibt.»
Ein Thema, das Pfäffikon seit Jahrzehnten beschäftigt, ist die Verkehrsfrage im Zentrum. «Das hat nicht etwa der heutige Gemeinderat verschlafen, daran hat man sich schon vor 60 Jahre die Zähne ausgebissen», so der Gemeindepräsident.
Der motorisierte Individualverkehr macht denn auch eines der vier Fokusthemen des neuen Konzeptes aus. Dazu kommen Fuss- und Veloverkehr, die Quartier- und Siedlungsentwicklung sowie die Freiräume. Zu diesen Teilbereichen sollen in den nächsten sechs Monaten einzelne Workshops mit der Bevölkerung stattfinden – wenn möglich auch mit Begehungen vor Ort.
«Vielleicht kommen wir auf die Idee, langfristig einen ganz grossen Wurf zu planen und ein Tunnel ins Auge zu fassen.»
Marco Hirzel (SVP), Gemeindepräsident
Die Kickoff-Veranstaltung hatte die meiste Zeit rund 70 Interessierten, die sich via Youtube eingeschaltet hatten. Die vier Gemeinderäte, die in der Arbeitsgruppe zum Raumentwicklungskonzept dabei sind, präsentieren nach einer kurzen Pause die einzelnen Themenbereiche, über die in Zukunft diskutiert werden soll. Zudem stellten sich ersten Fragen, welche die Pfäffiker Bevölkerung schriftlich während des Livestreams einschicken konnten.
Dabei kamen etwa Fragen auf, wie sehr Pfäffikon denn auch in die Höhe gehen dürfe oder wie sich Grünräume mit Freiräumen vereinbaren lassen. Klare Antworten existieren derzeit zwar noch nicht, doch die Inputs zeigten, wohin die Diskussionen in Zukunft weiter gehen werden.
Als Moderator Roman Dellsperger den Fokus noch einmal auf den Verkehr legte, hielt Marco Hirzel fest: «Ich möchte nicht, dass wir uns in diesem ganzen Prozess nur auf dieses Thema fokussieren, auch wenn es eines ist, das bisher nie zufriedenstellend gelöst werden konnte.»
Nun werde es eine Frage des Abwägens sein: Was ist plausibel, was machbar. «Vielleicht kommen wir auf die Idee, langfristig einen ganz grossen Wurf zu planen und ein Tunnel ins Auge zu fassen», sagt Hirzel, der beruflich schon am Bau einiger Tunnels beteiligt war. «Das Wünschenswerteste werden wir in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren nicht realisieren können.»
Wunschliste vs. Konzept
Dazu passte eine weitere Frage aus der Bevölkerung: Kreiert man mit diesem neuen Konzept nicht einfach eine lange Wunschliste, die man nicht finanzieren kann? «Wir werden sicher keine Wunschliste erstellen, sondern ein Konzept», sagte Sozialvorstand Lukas Weiss (Grüne). «Die Finanzfrage ist darum sekundär.»
Die Kreditbewilligung liege zudem in der Kompetenz des Stimmbürgers, der die nötigen Kredite an der Urne oder Gemeindeversammlung absegnet, führte Finanzvorstand Stefan Gubler (FDP) aus. «Wenn wir eine ausgewogene Lösung präsentieren, kann die Bevölkerung auch dahinterstehen», so Weiss. «Und vielleicht ergeben sich im Laufe der Planung auch Synergien, die wir nutzen können», schloss Bauvorstand Lukas Steudler (FDP).
Auch das Raumentwicklungskonzept an sich muss vom Souverän abgesegnet werden. Laut Fahrplan soll es im Frühling 2022 soweit sein.
Weitere Informationen zum Projekt und den genauen Daten für die vier Workshops sind auf der Website der Gemeinde Pfäffikon zu finden.
