Enteignungen sind unvermeidlich
Das Thema Hochwasserschutz beschäftigt Zell. 2018 genehmigten die Bürger einen Rahmenkredit in der Höhe von 25 Millionen Franken. Mit diesem sollen die Gefahren, welche durch Hochwasser drohen, künftig möglichst klein gehalten werden. So, dass die Fliessgewässer auch bei einem 100-jährlichen Hochwasser in ihrem Bett bleiben.
Bis 2036 fliesst Jahr für Jahr rund eine Million Franken für das sogenannte Hochwasserschutzprogramm in die Investitionsrechnung. Das erste grössere Projekt, welches der Gemeinderat im Rahmen der Massnahmen angeht, ist der Zellerbach.
Müliwiesstrasse soll kleiner werden
Erste Informationen zu den konkreten Plänen präsentierte der Gemeinderat im Zuge der Gemeindeversammlung Ende September. Favorisiert wird die Variante Vollausbau. Kostenpunkt: Rund 5,4 Millionen Franken. Beabsichtigt ist, das Bachbett breiter zu machen. Betroffen ist der ganze Zellerbach.
«Das Bachbett kann nicht in die Tiefe vergrössert werden. »
Susanne Stahl (SP), Werkvorsteherin Zell
Auf Nachfrage, wie ein Vollausbau konkret aussehen könnte, erklärt Werkvorsteherin Susanne Stahl: «Geplant ist unter anderem, dass die Müliwiesstrasse schmaler werden soll. Dadurch kann der Zellerbach dort entsprechend vergrössert werden.»
Grundsätzlich sieht der Vollausbau eine Verbreiterung, jedoch keine Vertiefung des Zellerbachs an verschiedenen Stellen vor. «Das Bachbett kann nicht in die Tiefe vergrössert werden, da er im Grundwasser liegt», sagt Stahl.
Vertiefte Abklärungen notwendig
Unklar sei gegenwärtig noch, wie die Sanierung im unteren Teil angegangen werden soll. «Dort gibt es zwei Varianten, die beide ihre Vor- und Nachteile haben», sagt Stahl. Die bevorzugte Variante sieht vor, dass der Durchlass unter den Bahngleisen, der im Besitz der SBB ist, vergrössert wird. «Diesbezüglich stehen wir gegenwärtig mit den Bundesbahnen in Verhandlungen», erklärt die Tiefbauvorsteherin weiter. Auch gelte es derzeit, noch vertiefte Abklärungen zu machen bezüglich der Schutzziele und der Kosten.
Möglich wäre aber auch eine 14 Meter hohe Staumauer oberhalb des Zeller Friedhofs oder eine Entlastungsleitung, um das Wasser in die Ebene zu führen. «Beide Varianten sind deutlich teurer und bergen Risiken, die nicht abschätzbar sind. Sie betreffen vor allem den Baugrund», so die Gemeinderätin.
« Betroffen von der Enteigung sind vereinzelt Fruchtfolgeflächen. »
Susanne Stahl
«Definitiv entschieden ist zwar noch nichts», sagt Stahl weiter. Allerdings laufe alles auf einen Vollausbau hinaus. Abgesegnet werden muss der Entscheid noch von der Begleitgruppe, dem Leitungsteam und zuletzt vom Gemeinderat. Zur Begleitgruppe zählen Anwohnerinnen und Anwohner, die direkt am Bach leben.
Gespräche mit Landeigentümern
Unabhängig davon, wie letztlich die endgültige Variante aussieht, steht schon jetzt fest, dass einige Landeigentümer einen Teil ihres Landes werden abgeben müssen. Dies sei durch die geplanten Hochwasserschutzmassnahmen unvermeidbar, so Stahl. «Betroffen sind vereinzelt Fruchtfolgeflächen sowie private Brücken von rund einem Dutzend der Eigentümer.» Mit den betroffenen Personen werde die Gemeinde das Gespräch suchen.
Möglich ist, dass die Landeigentümer dagegen Einspruch erheben werden. Dazu Stahl: «Ich hoffe allerdings, dass es nicht so weit kommt.» Rechnen müsse sie jedoch damit. Kompensationen würden diejenigen Eigentümer, welche Land abgeben müssen, in finanzieller Form erhalten oder «unter Umständen auch mit Abtausch, sofern es eine sinnvolle Möglichkeit gibt», sagt Stahl weiter.
Infoveranstaltung geplant
Das Vorprojekt will die Gemeinde noch im Verlauf des nächsten Jahres dem Bund und dem Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) vorlegen. «Die Bauausschreibung soll bis im Sommer realisiert werden», betont die Werkvorsteherin. Läuft alles nach Plan, kann frühestens 2022 mit dem Bau begonnen werden. «Das wäre ideal.»
Der ursprüngliche Massnahmenplan, den der Zeller Gemeinderat 2017 dem AWEL eingereicht hatte, sah vor, die Sanierung des Flusses bis 2023 zu realisieren. «Diesen Zeithorizont können wir voraussichtlich nicht einhalten», sagt Stahl. Wie die genauen Pläne zur Flusssanierung aussehen, werden die Bürger ebenfalls nächstes Jahr erfahren. «Geplant ist eine Infoveranstaltung für nächsten Sommer.»
