Prachtvolle Erker, grimmige Löwenfratzen über den Arkaden – die Steinmetzarbeiten sind imponierend. Das prunkvoll geschmückte Gebäude steht in der Altstadt von Wil – gesehen haben wir es auf einem Bummel durch das Städtchen – und zeugt vom Reichtum der Erbauer und von einer geschichtsträchtigen Vergangenheit. Beeindruckend.
Bei näherer Betrachtung wurde ich allerdings etwas enttäuscht – die wuchtigen Simse und Arkadensteine waren nicht aus Sandstein, sie waren gemalt. Die illusionistische Malerei – auch bekannt als Trompe-l’oeil – und Scheinarchitektur diente dazu, das Ansehen und den Ruhm des Auftragsgebers zu vergrössern. Sie war schon in der Antike bekannt und lebte vor allem in der Renaissance mit der Entdeckung der Perspektiven auf.
Irgendwie kommt mir das recht heutig und modern vor. Fake Architektur, Fake Videos, Fake News, Fake irgendwas. Es bedeutet, dass die angegebenen Tatsachen nicht mit der Wahrheit übereinstimmen müssen und klingt netter als bluffen, sich in Szene setzen oder lügen.
Heute schon fast gesellschaftsfähig und Alltag. Es ist schwieriger geworden, Wahres vom Falschen zu unterscheiden. Vielleicht sollten wir alles nur von aus der Ferne betrachten. Näher gehen desillusioniert und erfolgt auf eigene Gefahr. (Guy A. Lang)

